Borussia Dortmund gastiert zum Derby in der Bundesliga beim VfL Bochum. Trainer Niko Kovač muss in der Abwehr puzzeln. Die BVB-Aufstellung.
Dortmund – Zum Abschluss seiner ersten englischen Woche als Trainer bei Borussia Dortmund gastiert Niko Kovač am Samstag in der Bundesliga beim VfL Bochum (15.30 Uhr, alle TV-Infos). Der BVB steht unter Zugzwang, wenn er sich von Rang elf noch auf die Europapokalränge verbessern will. Beim Schlusslicht ist jeder Punktverlust verboten.
Rückenwind will Dortmund aus dem überraschend deutlichen 3:0-Sieg bei Sporting in der Playoff-Runde der Champions League mitnehmen. Zumindest personell ist das aber nicht ohne Weiteres möglich. Nach seiner unbeherrscht emotionalen Reaktion im Spiel gegen den VfB Stuttgart (1:2) ist Julian Ryerson gesperrt. Dadurch ergibt sich für Kovač ein Abwehrpuzzle.
Ein Dortmund-Neuzugang fällt erneut aus
„Wir müssen schauen, wie wir das in Bezug auf die Sperre von Julian regeln“, ließ sich der Kroate in der Pressekonferenz am Freitag nicht in die Karten schauen. Der BVB muss dabei neben Ryerson auch auf den anderen etatmäßigen Stamm-Außenverteidiger verzichten. Wider Erwarten fällt Ramy Bensebaini weiter aus.
Niko Kovač bestreitet in Bochum sein erstes (kleines) Derby mit dem BVB.
„Ramy steht nicht zur Verfügung. Die Verhärtung ist auf dem Weg der Besserung, aber nicht so, dass er ein Bundesliga-Spiel bestreiten kann“, sagte Kovač. Anstelle des Algeriers dürfte damit erneut Daniel Svensson beginnen, nachdem dem Winter-Neuzugang in der Champions League ein beachtliches Doppel-Debüt gelungen war. Der andere Winter-Neuling, Carney Chukwuemeka, ist nach einer kurzen Premiere wegen anhaltender Kniebeschwerden für den Samstag erneut kein Thema.
BVB-Trainer Kovač muss Yan Couto noch besser „scannen“
Die große Frage lautet, wie der Ausfall von Ryerson kompensiert werden soll. Auf dem Papier steht mit Yan Couto ein Ersatz bereit, der Brasilianer spielte aber noch keine Sekunde unter Kovač – und insgesamt nur zehn Minuten, seit Nuri Şahin als Trainer beurlaubt wurde.
„Die Spieler, die seit Jahren in der Bundesliga spielen, kennen wir alle. Yan ist erst vor kurzem hergekommen, da brauche ich noch ein bisschen Zeit um ihn zu scannen. Er ist sicherlich eine Alternative hinten rechts, wobei er schon eher ein Wing-Back als ein Full-Back ist“, sprach der Trainer am Freitag im besten Fußball-‚Denglisch‘ über Couto.
Als Wing-Back wird der Flügelspieler in einem System mit Dreier- bzw. Fünferkette bezeichnet, wohingegen Außenverteidiger der Viererkette in Englisch als Full-Backs firmieren.
BVB in Dreier- oder Viererkette? „Diese Mannschaft kann alles“
Schon seit seinem Amtsantritt gibt es in Dortmund Spekulationen, dass Kovač eine Umstellung auf die Dreierkette planen könnte. „Diese Mannschaft kann alles. Es geht um die Prinzipien, was wir mit und gegen den Ball wollen. Das ist heutzutage fließend, deswegen möchte ich mich da nicht auf ein System festlegen“, erklärte der Ex-Profi vor dem Auswärtsspiel in Bochum.
Mit einer Dreierkette ließe sich das Problem des Ausfalls von Ryerson kaschieren, zumal mit Waldemar Anton und Niklas Süle zwei Innenverteidiger von Format hinter dem aktuell gesetzten Duo aus Emre Can und Nico Schlotterbeck bereitstehen. Mit Anton, Can und Süle haben aber auch drei der vier schon reichlich Erfahrung auf der rechten Seite und könnten den Vorzug vor Couto erhalten, wenn es bei der Viererkette bleiben soll und Kovač den Fokus auf die Defensive legen will.
Die voraussichtliche Aufstellung des BVB gegen Bochum
Entscheidet sich Kovač für eine Viererkette, würde wohl Marcel Sabitzer für Süle oder Couto in die Elf rücken. Weitere Änderungen sind nach der starken zweiten Hälfte in Lissabon eher unwahrscheinlich. Für große Rotationen ist der BVB in seiner aktuellen Situation zu instabil. Deshalb ist auch schwer vorstellbar, dass Pascal Groß aus dem Zentrum genommen wird, hinten rechts verteidigt und im Mittelfeld etwa durch Salih Özcan ersetzt wird.
Großes Bayern-Signal vor Leverkusen – Mega-Deal mit Musiala
Aktualisiert am 14.02.2025 – 15:27 UhrLesedauer: 4 Min.
Jamal Musiala hat bis 2030 verlängert. (Quelle: Torsten Silz/dpa/dpa-bilder)
Der FC Bayern lässt mit einer Herzensbotschaft am Valentinstag aufhorchen. Das Duell Jamal Musiala gegen Florian Wirtz wird durch den neuen Musiala-Vertrag weiter angeheizt. Wo liegt Wirtz” Zukunft?
Der Mega-Vertrag für Jamal Musiala soll dem FC Bayern einen großen Schub auf dem Weg zur deutschen Meisterschaft geben. Am Tag vor dem womöglich schon entscheidenden Duell um die Schale überstrahlte der XXL-Vertrag für den Nationalspieler die Einstimmung auf den Liga-Gipfel mit Bayer Leverkusen. Anders als Bayer-Star Florian Wirtz geht Musiala durch den neuen hochdotierten Vertrag bis 2030 mit langfristig geklärter Zukunft in das Bundesliga-Spitzenspiel.
“Wir haben gemeinsam viel vor – ich freue mich auf alles, was kommt”, erklärte Musiala, Club-Gesicht von Gegenwart und erst recht in der Zukunft. Als Erstes kommt am Samstag (18.30 Uhr/Sky) das zuletzt von den Münchnern fünfmal nicht gewonnene Kräftemessen mit dem Doublesieger von Xabi Alsono. Der Leverkusener Meistermacher steht dabei unter Druck, denn angesichts von acht Punkten Rückstand auf Musiala & Co. dürfte alles andere als ein Bayer-Erfolg wohl die Entscheidung im Meisterrennen zugunsten des Rekordmeisters zur Folge haben.
Die Münchner Liebesbotschaft am Valentinstag rückt die erwartete Fußball-Show von Musiala und des bis 2027 an Leverkusen gebundenen, aber immer wieder mit dem FC Bayern oder auch mal mit Real Madrid in Verbindung gebrachten Wirtz noch einmal mehr in den Fokus. Musiala wurde bei seiner Vertragsverlängerung bildreich am Flügel, mit dem Zauberstab oder als Kartenkünstler in Szene gesetzt.
Sein Leverkusener Pendant, bei dem schon über eine Vertragsverlängerung in Leverkusen spekuliert worden war, steht dem praktisch in nichts nach. Wer der bessere ist, darüber lässt sich vortrefflich diskutieren.
“Fußball Deutschland darf einfach froh und glücklich sind, dass beide für Deutschland spielen”, sagte Vincent Kompany. Der Münchner Trainer prognostiziert den beiden 21-Jährigen eine große Zukunft. “Sie sind jetzt noch jung. Das heißt, die besten Jahre kommen noch.” Das sieht Xabi Alonso nicht anders. “Beides sind top, top Spieler, gehören zu den besten der Welt”, sagte Alonso. Für Bundestrainer Julian Nagelsmann “ist das ein großes Geschenk”.
Die Bayern-Bosse senden mit der geklärten Königspersonalie eine Botschaft an die internationale Konkurrenz. “Spitzenvereine auf der ganzen Welt suchen Unterschiedsspieler – und Jamal Musiala ragt noch mal heraus”, sagte Sportvorstand Max Eberl. “Mit solchen Spielern senden wir ein starkes Signal an alle, dass mit dem FC Bayern auch in Zukunft zu rechnen ist.”
Musiala steigt in München mit einem großen Gehaltssprung zu einem Topverdiener auf. Spekulationen zufolge hat er eine Ausstiegsklausel im dreistelligen Millionenbereich.
Kommt aber auch noch Wirtz zu den Bayern? Die Wahrscheinlichkeit dieses Hammers bezifferte Ehrenpräsident Uli Hoeneß unlängst auf zehn Prozent. Der Musiala-Deal ist hochdotiert, eine Wirtz-Verpflichtung würde ebenfalls insgesamt im dreistelligen Millionenbereich liegen.
Von all dem Vertrags-Spektakel beim Branchenprimus oder den Gerüchten um Wirtz lässt sich der frühere Weltklasse-Profi und gewiefte Stratege Alonso nicht aus der Ruhe bringen. “Wir bleiben fokussiert, Flo und alle anderen”, sagte der 43-Jährige. “Er ist unser Unterschiedsspieler. Seine Zukunft ist groß. Es gibt kein Limit für ihn.” Seit der einstige Bayern-Profi das Zepter bei der Werkself als Trainer übernommen hat, gab es keine Münchner Siege mehr in fünf Pflichtspielen. Immerhin: Angesprochen auf den neuen Vertrag für Musiala, zeigte sich Alonso kurz überrascht und sagte dann: “Gut für Jamal.”
Der VfL Bochum hat Borussia Dortmund zu Gast. Hier erfahren Sie, wo und wie Sie das kleine Revierderby live im TV und Stream sehen können.
Bochum – Bochum gegen Dortmund: Es sind nur wenige Kilometer, die der BVB am Samstag, 15. Februar 2025, für das nächste Bundesliga-Spiel zurücklegen muss. Hier erfahren Sie, wo sie das kleine Revierderby zwischen dem VfL und dem BVB live im TV und Stream sehen können.
Hier läuft VfL Bochum gegen Borussia Dortmund live im TV
VfL Bochum gegen Borussia Dortmund
Samstag, 15. Februar 2025, 15.30 Uhr
Free-TV: –
Pay-TV: Sky
Hier läuft VfL Bochum gegen Borussia Dortmund live im Stream
VfL Bochum gegen Borussia Dortmund
Samstag, 15. Februar 2025, 15.30 Uhr
Kostenloser Stream: –
Kostenpflichtiger Stream: SkyGo/Wow
Borussia Dortmund nach Sieg in der Champions League mit neuem Mut
Ist der Knoten bei Borussia Dortmund geplatzt oder war es nur ein kurzes Champions-League-Strohfeuer? Der BVB gewann das Playoff-Hinspiel bei Sporting Lissabon deutlich mit 3:0 – das Ergebnis und die zweite Halbzeit täuschen über einen faden Auftritt in den ersten 45 Minuten hinweg.
Serhou Guirassy (60. Minute), Pascal Groß (68.) und Karim Adeyemi (82.) hatten den Dortmunder Sieg in Portugal herausgeschossen. Seit dem Abschied von Erfolgscoach Ruben Amorim zu Manchester United im November kann Sporting nicht mehr an die starken Leistungen aus den Anfangsmonaten dieser Saison anknüpfen. Das hat man auch in dieser Champions-League-Nacht erlebt.
BVB trifft nach befreiendem Champions-League-Abend auf Bochum
Umso besser für den BVB, den im nächsten Spiel gegen den VfL Bochum deutlich mehr Aggressivität erwarten dürfte. „Wir fahren jetzt nach Bochum, und Sie wissen auch, dass es in Bochum nicht leicht ist“, sagte Kovac nach seinem ersten Sieg im zweiten Pflichtspiel mit der Borussia.
Der 53-Jährige schwärmte über den Auftritt seiner Mannschaft, der ihm „imponiert“ habe. Kritik am schwachen Auftritt vor der Halbzeit kam nicht, stattdessen viel Positives. Schließlich ist dem erfahrenen Coach die tiefe Verunsicherung vieler seiner Spieler nicht entgangen.
BVB-Trainer Kovac wappnet sich für Bochum
Sein erster Ansatz ist es, in die Köpfe der Profis zu kommen – damit es diese wie im zweiten Durchgang wieder in die Nähe ihres Leistungsniveaus schaffen. „Man muss gerade in solchen Situationen positiv Einfluss auf die Spieler nehmen“, erklärte Kovac. Fürs Erste ist das geglückt. Ob es nachhaltig wirkt, wird sich in Bochum zeigen.
Situation: Beide Clubs laufen ihren Saisonzielen hinterher. Bochum als Schlusslicht fehlt drei Punkte auf die Relegation, sieben zum rettenden Ufer. Dortmund liegt als 11. sieben Zähler hinter Champions-League-Platz vier.
Statistik: Die letzte BVB-Niederlage in Bochum liegt 18 Jahre zurück. Allerdings gab es für Schwarzgelb nur sechs Siege in 33 Bundesliga-Gastspielen beim VfL, Bochum gewann elfmal. Die letzten drei Spiele im Ruhrstadion endeten 1:1.
Personal: Der VfL muss auf Torjäger Boadu, Stammtorhüter Drewes sowie Passlack und Wittek verzichten. Dem BVB fehlen Bensebaini, Chukwuemeka sowie Ryerson nach seiner Gelb-Roten-Karte.
Besonderes: Durch den krankheitsbedingten Ausfall von Stammtorhüter Drewes wird Ex-Kölner Horn sein Debüt im Trikot des VfL geben.
VfB Stuttgart – VfL Wolfsburg
Situation: Der VfB hat sich mit dem DFB-Pokal-Halbfinaleinzug und dem Sieg in Dortmund zurückgemeldet und möchte seine Champions-League-Ambitionen untermauern. Wolfsburg ist seit vier Spielen sieglos, trotzte aber zuletzt Frankfurt und Leverkusen jeweils ein Remis ab.
Statistik: VfB-Mittelfelddirigent Stiller und Wolfsburgs Stürmer Behrens stehen vor ihrem 100. Bundesliga-Spiel. Hoeneß strebt seinen 50. Pflichtspielsieg mit dem VfB an.
Personal: Der VfB muss weiter auf Verteidiger Al-Dakhil (Zerrung) verzichten. Undav dürfte nach seiner Erkältung fit sein, Bruun Larsen ist wegen eines Infekts fraglich. Wolfsburg muss auf seinen Kapitän Arnold verzichten. Für ihn dürfte Vranckx zum Einsatz kommen. Zudem ist Maehle gesperrt.
Besonderes: Der VfB hat erstmals nach der Winterpause keine Englische Woche hinter sich. Die ungewohnten freien Tage sorgten laut Trainer Hoeneß für Frische und neue Energie.
1. FC Union Berlin – Borussia Mönchengladbach
Situation: Der 1. FC Union scheint sich nach schwerem Beginn unter dem neuen Coach Baumgart zu stabilisieren und von den Abstiegsrängen zu entfernen. Nach einem Remis folgte zuletzt ein Sieg. Die Gladbacher liegen knapp hinter den internationalen Rängen.
Statistik: Beide Mannschaften holten in der Rückrunde zwei Siege und ein Remis bei einer Niederlage. Die Borussen sind seit drei Partien ungeschlagen (7 Punkte). Ein Sieg in Berlin und es Gladbach hätte erstmals seit dem Frühjahr 2022 zwei Auswärtsspiele nacheinander gewonnen.
Personal: Union fehlt unter anderem der gelbgesperrte Routinier Trimmel. Bei den Gästen sind Sander und Elvedi wieder gesund und einsatzbereit.
Besonderes: Die Gladbacher sind die Kopfballtor-Experten. Keine andere Mannschaft traf öfter, neunmal bis jetzt.
FC St. Pauli – SC Freiburg
Situation: Aufsteiger St. Pauli will sich weiter von den Abstiegsplätzen entfernen, Freiburg seinen Europa-League-Platz verteidigen.
Statistik: Seit 1997 hat Freiburg in der Bundesliga nicht mehr gegen St. Pauli gewonnen. Das 3:0 im Hinspiel war der erste Saisonsieg der Hamburger.
Personal: Vier Ex-Freiburger (Wagner, Weißhaupt, Boukhalfa, Treu) spielen bei St. Pauli. Leihgabe Wagner ist aber einer von vier verletzten Stammspielern.
Besonderes: St. Paulis Johannes gegen Freiburgs Maximilian: Am Millerntor kommt es zum Bruderduell der Eggesteins.
Für Ramy Bensebaini reicht die Zeit bis zum Bundesliga-Spiel gegen den VfL Bochum aller Voraussicht nach nicht aus, um für den Kader von Borussia Dortmund zur Verfügung zu stehen. Der Linksverteidiger verpasste bereits das Champions-League-Spiel in Lissabon aufgrund einer Muskelverhärtung.
„Es sieht so aus, dass Ramy weiterhin nicht zur Verfügung steht“, so Cheftrainer Niko Kovač auf der Pressekonferenz am Freitag. „Das heißt, die Verhärtung ist zwar auf dem Weg der Besserung, aber noch nicht so, dass er ein Bundesliga-Spiel bestreiten kann.“
Als Ersatz dürfte Neuzugang Daniel Svensson für die Startelf bereitstehen. Der Schwede kam bereits gegen die Portugiesen von Beginn an zum Einsatz und wusste durch eine stabile Leistung zu überzeugen.
Quelle: Pressekonferenz
LIGAINSIDER-DURCHSCHNITTSNOTE in den letzten VIER Jahren
Das jetzt auch noch. Borussia Dortmund hat sich endgültig mit dem Big-City-Virus infiziert. Der Bundesliga-Gigant aus dem Ruhrgebiet ist gelähmt und zeigt Verhaltensmuster, die den Hauptstadtklub Hertha BSC aus dem modernen Fußball führten. Heilung ist nicht in Sicht.
Da lagen sie nun vor dem Tor und da standen sie nun im Tor, hinter ihnen sangen und jubelten die Fans und vor ihnen gruppierten sich die Fotografen. Es war ein Ereignis, das festgehalten werden musste. Der Aufstieg in die Fußball-Bundesliga hatte sich allein für dieses Spiel für die Geschichtsbücher am 14. Januar 2025 gelohnt. Die Profis von Holstein Kiel hatten jeden Grund, so richtig glücklich zu sein. Mit 4:2 (3:0) hatten sie gerade Borussia Dortmund aus dem Stadion gefegt.
Die Spieler von Kiel hatten sich in den letzten Minuten nach einer Roten Karte für Lewis Holtby gegen den unbeholfen anrennenden BVB nicht nur erfolgreich gegen den Ausgleich gestemmt, nein sie hatten darüber hinaus noch ein wunderbares Außenseitertor geschossen. Noch in 50 Jahren werden sich die Menschen in Kiel an den Moment erinnern, als Fiete Arp an diesem kalten Dienstagabend im Holstein-Stadion zum 4:2 ins leere Tor von Borussia Dortmund traf. Es war nichts anderes als ein Jahrhunderttor, eines, das auch kurzfristig zumindest für die nächsten Wochen sogar den Klassenerhalt in der Bundesliga möglich erscheinen lässt.
Wie Arps später Stich ins Dortmunder Herz in vier Monaten beim BVB gewertet wird, ist hingegen noch lange nicht absehbar. Momentan deutet jedoch vieles darauf hin, dass die Katastrophe in Kiel, denn nichts anderes war diese Pleite beim Aufsteiger, als Symbol für den Niedergang eines aus der Zeit fallenden Giganten stehen wird. Nach der schlechtesten Hinrunde seit zehn Jahren hechelt der BVB der wirtschaftlich so wichtigen Qualifikation für die Königsklasse mindestens fünf, vielleicht sogar acht Punkte hinterher. Auch eine Qualifikation für die Europa oder Conference League erscheint momentan außer Reichweite. Wieder einmal müssen die großen Linien bemüht werden, um zu verstehen, auf welchem fatalen Kurs der Finalteilnehmer der letztjährigen Champions League sich befindet. Kurzfristig kann es bereits an diesem Spieltag noch in die zweite Hälfte der Tabelle gehen, langfristig sogar noch tiefer. Denn die Diagnose ist ein Schock für alle.
Zwischen Manchester und Berlin
Borussia Dortmund, der ehemals zweite Leuchtturm der Bundesliga, leidet an dem Manchester-United-Syndrom eines abstürzenden Top-Klubs. Er nimmt sich immer sehr wichtig und denkt, dass nur, weil früher alles in Ordnung war, auch die Zukunft golden erscheinen wird. Das lähmende Gift der Erinnerung macht den Klub handlungsunfähig. Er bleibt immer dort, wo er schon ist. Er agiert mit den immer gleichen Methoden und erzählt die immer gleichen Geschichten. Bis sich Beobachter gelangweilt abdrehen, bis die Substanz immer schlechter wird und kaum noch Möglichkeiten bleiben, die Richtung zu ändern.
Trainer kommen und Trainer gehen. Unter den Bedingungen des Familien-Unternehmers Hans-Joachim Watzke aus dem Sauerland. Nach außen sind sie alle eins, im Inneren jedoch zutiefst uneinig. Vereinsvereiner wie Edin Terzić werden ohne große Not zum Rücktritt gedrängt, weil sie nicht so schönen Fußball spielen lassen. Präsidenten sollen auf Mitgliederversammlungen instrumentalisiert werden. Rüstungsunternehmen treten als Sponsor auf, während die Verteidigung auf dem Platz zusammenbricht, wie die “Süddeutsche Zeitung” vor einigen Monaten bemerkte.
Neben dem Manchester-United-Syndrom hat Borussia Dortmund sich jedoch noch mit dem “Big-City-Virus” infiziert. Noch gefährlicher! Dieser riss vor weit über fünf Jahren Hertha BSC in den Abgrund. Rückblick: Der durch Lars Windhorst kurzfristig zu Geld gekommene Klub hatte sich im Sommer 2019 von Trainer Pal Dardai getrennt. Der Dardai-Ball hatte dem Klub in den Jahren zuvor zwar Stabilität gebracht, doch es sollte mehr sein. Als alle mit einem großen Namen rechneten, zauberte der da bereits umstrittene Sportvorstand Michael Preetz den vereinseigenen Übungsleiter Ante Covic aus dem Hut. Das Experiment scheiterte. Der Verein verlor in den fatalen Wochen unter Trainer Jürgen Klinsmann endgültig die Kontrolle. Externe Kräfte entwickelten eine Wucht, die alles zerstörte, was der Klub aufgebaut hatte. Bald ging auch Preetz, bald ging auch der langjährige Präsident Werner Gegenbauer.
Dieser Tage spielt der Hauptstadtklub in der zweiten Liga, kämpft weiter mit finanziellen Problemen, hat jedoch etwas geschaffen, was größer ist als die 90 Minuten auf dem Platz. Sportlicher Erfolg soll weiter her, die Rückkehr in die erste Liga auch, doch nicht mehr zu jedem Preis. Doch diese Entkopplung vom modernen Fußball, die unter dem vor genau einem Jahr verstorben Kay Bernstein zum “Berliner Weg” wurde, ist schmerzhaft und macht aus einem internationalen Leuchtturm einen Klub, der kaum mehr über Stadtgrenzen strahlt.
Andere Klubs sind längst attraktiver
So verlockend also der Hertha-Absturz für das Wohlbefinden der Fangemeinschaft auch der Dortmunder ist, so kann sich der Klub diese Abwesenheit von Ambitionen kaum leisten. Es gibt keinen kontrollierten Absturz im Fußball. Alles drängt nach oben und was sich dort nicht hält, fällt brutal.
Problematisch wird es daher nun, wenn die verzweifelten Erklärungsversuche der Borussia wieder nur in Stillstand münden und mit den ewig gleichen Forderungen nach “Konsequenzen” für diese mit allerhand Adjektiven umschriebenen Katastrophen garniert werden und diese allesamt ohne Folgen bleiben. Denn Stillstand ist der unsichtbare Begleiter des Rückschritts. In diesem Konstrukt ohne Konsequenzen ist mal der eine sauer und mal der andere. Es ist für Außenstehende kaum mehr zu durchschauen, worauf sie gerade sauer sind. Meist sind es Niederlagen. Sie stärken sich dabei so lange den Rücken, bis nichts mehr zu stärken ist. Bis der nächste Umbruch kommt, der den Kader wieder ein wenig schlechter macht.
“Windhund” Maxi Beier ist noch lange nicht in Dortmund angekommen.
(Foto: IMAGO/Kirchner-Media)
Aus Jadon Sancho wird dann Donyell Malen, aus Jude Bellingham wird Felix Nmecha, aus Erling Haaland erst Sebastien Haller, dann Niclas Füllkrug und dann Serhou Guirassy. Aus Mats Hummels wird Waldemar Anton und aus dem ewigen Marco Reus wird der ewige Julian Brandt. Nichts wird besser. Alles wird egaler – und andere Klubs werden begehrter. Weil sie die attraktiveren Trainer haben, weil sie ein besseres Scouting haben, weil sie eine bessere Geschichte erzählen und die Spieler sich im Durchlauferhitzer Bundesliga dort besser für ihre Karriere aufladen können. Es darf bezweifelt werden, ob Dortmund im aktuellen Zustand noch einmal ein Juwel wie Haaland erbeuten könnte.
Kehl, kaum verlängert und schon wieder angezählt
Das ist ein Problem für den BVB, der von der Entwicklung dieser Stars lebt und die großen Transfers braucht, um den Kader zu finanzieren. Oft erzählt. Und momentan im Hintergrund. Denn der Klub hat ganz akute Probleme. Er muss aktuell entscheiden, wie er vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt am Freitag (20:30 Uhr/DAZN und im Liveticker auf ntv.de) reagieren soll. Der Trainer bleibt. So viel ist klar. Er bekommt mindestens noch ein Endspiel in diesen Tagen, in denen sich für den BVB Endspiel an Endspiel reiht. Jede Partie könnte das Ende ihrer Ambitionen sein. In Europa, wo die direkte Qualifikation für das Achtelfinale nicht mehr sicher ist, und in der Bundesliga, wo jede weitere Niederlage die Aufgabe unlösbarer macht.
Sahin, sagte Sportvorstand Lars Ricken in Kiel, habe die Mannschaft “vor dem Spiel nicht nur taktisch, sondern auch emotional hervorragend eingestellt”, berichtete jedoch auch davon, dass er beim Team bereits vor der Partie fehlende Überzeugung bemerkt habe. “Es liegt nicht am Trainer, wir Spieler sind dafür verantwortlich”, sagte Kapitän Emre Can. Sahin und Co. hätten immer einen Matchplan, aber “wir kriegen es nicht hin. Wir können so nicht Fußball spielen”, sagte er: “Das hat was mit Ehre zu tun. Bei allem Respekt vor Kiel.”
Bezeichnend dabei ist die Vertragsverlängerung mit Sportdirektor Sebastian Kehl, der große Teile des Kaders zu verantworten hat. Schon lange wird rund um den Verein über die Arbeit des ehemaligen Kapitäns getuschelt. Zufrieden ist kaum jemand, manche äußern ihr Mitleid für den Mann im Haifischbecken Dortmund. Als sich nun dem Klub jedoch die Chance bot, Kehls Vertrag im kommenden Sommer auslaufen zu lassen, bekam er einen neuen angeboten. Was nur eine Verlängerung der Tuschelei darstellt, denn schon berichten jene, die um den Verein herumschwirren, von der Möglichkeit einer Entlassung im Sommer.
Der letzte glückliche Moment liegt lange zurück
In diesem Winter aber muss Kehl erst einmal neue Spieler ranschaffen. Der auf Kante genähte Kader, der nach dem Abgang des Niederländers Donyell Malen weiter an Substanz verloren hat, soll mal wieder kurzfristig auf Erfolg getrimmt werden. Der Blick, so ist überall zu lesen, richtet sich dabei wieder einmal auf die Ersatzbank von Chelsea. Dort tummeln sich die Spieler, nach denen der uninspirierte BVB greift. Sie sind jung, teuer und ohne Spielpraxis. Chelseas Plan dabei: Im Westfalenstadion sollen diese ihren Marktwerten aufmöbeln, damit sie danach für gutes Geld verkauft werden können. Wenn es nicht klappt, gibt es noch genug andere Spieler. Für den BVB müssen die Transfers jedoch sitzen.
Those were the days, my friend.
(Foto: IMAGO/Moritz Müller)
Der Klub hängt an dem Tropf des modernen Fußballs. Der Klub braucht das Geld der internationalen Wettbewerbe, sie brauchen die Anerkennung Europas und der Welt, um ihr System am Laufen zu halten. Denn das “Big-City-Virus” übertrumpft das “Manchester-United-Syndrom”. Das ist ein Problem. Manchester United hält aufgrund der Besonderheiten des englischen Systems den Kopf zumindest finanziell weiter über Wasser.
Als Dortmund das letzte Mal so richtig glücklich war, stürmten die Spieler vor die Kurve, manche rissen die Grenzen nieder und fanden sich auf einmal neben den Ultras wieder. Sie gingen ineinander auf und freuten sich gemeinsam diebisch über den Einzug ins Finale der Champions League. Das war im Mai 2024. Der BVB hatte in Paris gewonnen. Die Spieler standen vor der Tribüne, hinter ihnen sangen die Fans und die Fotografen gruppierten sich, um diese Momente für die Ewigkeit festzuhalten. In Kiel stiegen nun einige Fans über den Zaun und redeten auf die Spieler ein. Meist sind das die letzten Zuckungen, bevor alles noch viel schlimmer wird. Fragen Sie nach in Berlin, fragen Sie aber auch nach in Hamburg oder auf Schalke.
Der frühere Dortmund-Trainer Edin Terzic wird mit einem möglichen Engagement bei Tottenham Hotspur in Verbindung gebracht.
Bis zum Sommer 2024 war Edin Terzic Trainer von Borussia Dortmund, nun könnte der 42-Jährige möglicherweise vor einem Engagement in der Premier League stehen.
Wie das Portal “Teamtalk” berichtet, wird der frühere BVB-Coach als möglicher neuer Trainer von Tottenham Hotspur gehandelt.
Bei den Spurs steht der aktuelle Amtsinhaber Ange Postecoglu nach zuletzt enttäuschenden Ergebnissen unter Druck.
Zuletzt flogen die Londoner innerhalb von nur vier Tagen zunächst aus dem Ligapokal und dann auch noch dem FA-Cup raus. In der Premier League ist Tottenham zudem nur auf Rang 14.
Zwar soll Spurs-Besitzer Daniel Levy weiterhin an Postecoglu festhalten wollen, allerdings dürften im Hintergrund schon Vorbereitungen laufen, sollte sich die sportliche Situation unter dem Australier nicht verbessern.
Die Premier League wäre für Terzic kein komplettes Neuland, immerhin war er beim Londonern Spurs-Rivalen West Ham einst von August 2015 bis November 2017 als Co-Trainer von Slaven Bilic.
Als Cheftrainer arbeitete der Deutsch-Kroate Terzic hingegen bislang nur in Dortmund. Den Revierklub führte er im Frühjahr 2024 sogar bis ins Finale der Champions League. Nach der Niederlage im Endspiel gegen Real Madrid entschieden sich Terzic und der BVB zur Trennung nach zwei gemeinsamen Jahren.
Zuvor war Terzic auch schon von Ende 2020 bis zum Sommer 2021 Trainer des BVB. Damals beendete er sein Engagement mit dem Gewinn des DFB-Pokals.
Rückschlag für Ex-BVB-Star: Er darf nicht Champions League spielen
07.02.2025Lesedauer: 2 Min.
Donyell Malen: Er wird vorerst nicht mehr in der Königsklasse auflaufen. (Quelle: Ryan Browne/Shutterstock/imago-images-bilder)
Im Winter verließ Donyell Malen Borussia Dortmund in Richtung Aston Villa. Schon jetzt muss er allerdings den ersten Rückschlag wegstecken.
Das hatte er sich wohl ganz anders vorgestellt: Bei Borussia Dortmund hatte Donyell Malen auf seiner Außenposition zunehmend das Nachsehen und kam immer weniger zum Einsatz. Folglich entschied sich der niederländische Nationalspieler für einen Vereinswechsel.
Vom BVB zog es Malen für eine Ablösesumme von rund 25 Millionen Euro in die Premier League zu Aston Villa. Kaum dort angekommen, muss er jedoch einen Rückschlag verkraften. Denn zumindest in der Champions League wird Malen für seinen neuen Klub vorerst nicht auflaufen können.
Der Klub meldete den 26-Jährigen nicht für seinen Königsklassen-Kader. Die Regeln erlauben den Klubs nach der Wintertransferphase nur drei Änderungen in ihren Kadern. Da der Klub neben Malen auch noch Marco Asensio Marcus Rashford, Andres Garcia sowie Axel Disasi verpflichtete, war klar, dass zwei Neuzugänge nicht für die Champions League gemeldtet werden konnten.
Nun ist klar, dass dieses Schicksal neben Garcia auch Malen erwischt. Die Champions-League-Saison ist für ihn somit beendet. “Natürlich ist es keine gute Entscheidung, die ich gestern treffen musste”, erklärte Trainer Unai Emery, “aber ich habe mit Andres und Donyell gesprochen, um ihnen die Entscheidung mitzuteilen, und ich habe meine Entscheidung ihnen gegenüber begründet.”
Das Team habe nach den Abgängen von Jhona Duran zu Al-Nassr, Jaden Philogene zu Ipswich Town und Diego Carlos zu Fenerbahçe Istanbul drei Abgänge ersetzen müssen. “Wir haben im Transferfenster mehr Änderungen vorgenommen, als wir eigentlich wollten”, so Emery.
Besonders ärgerlich für Malen: Sollte der BVB die Zwischenrunde in der Champions League gegen Sporting Lissabon überstehen, könnte es im Achtelfinale zu einem direkten Duell zwischen Villa und den Schwarz-Gelben kommen. Malens Wiedersehen mit dem Ex-Klub fällt aber so oder so aus.
BVB-Stürmer Serhou Guirassy erarbeitet sich aktuell den Ruf als Schwalbenkönig. Trainer-Legende Armin Veh hat dafür kein Verständnis.
Dortmund/München – Serhou Guirassy ist bei Borussia Dortmund in dieser Spielzeit die Lebensversicherung in der Offensive. 19 Tore und fünf Vorlagen konnte der Angreifer bislang schon beisteuern. Trotzdem erntet der 28-Jährige aktuell auch viel Kritik. Vor allem seine Spielweise in bestimmten Situationen kommt nicht bei jedem gut an.
BVB-Star Serhou Guirassy wird zum Schwalbenkönig: Ex-Trainer übt scharfe Kritik
Was die Leute und teilweise sogar die eigenen BVB-Fans stört, sind die zunehmenden Schwalben von Guirassy. Häufig lässt sich der Torjäger im Zweikampf theatralisch fallen und wartet auf einen Pfiff des Schiedsrichters. Dieses Phänomen beschränkt sich dabei nicht mehr nur auf den gegnerischen Strafraum, wo es unter Umständen zur „Belohnung“ einen Elfmeter geben würde.
Bei der 1:2-Niederlage des BVB gegen den VfB Stuttgart versuchte der Dortmunder sogar am Mittelkreis auf äußerst plumpe Art und Weise einen Freistoß zu schinden. Die Schwalbe wird im Fußball oftmals als letztes Mittel gewählt, wenn der Spieler merkt, dass er nicht mehr an den Ball kommt. Guirassy lässt dabei jedoch hin und wieder auch gute Möglichkeiten ungenutzt.
Auch Trainer-Ikone Armin Veh ist das Verhalten von Guirassy negativ aufgefallen. Im Doppelpass am Sonntag (9. Februar) kritisierte er den BVB-Star dafür scharf. „Er fällt mir viel zu viel um, bei jedem Zweikampf liegt er relativ schnell am Boden“, sagte der 64-Jährige.
Armin Veh über BVB-Star Guirassy: „Er ist wesentlich schwächer in Dortmund“
In der Vorsaison habe Guirassy diese Attitüde noch nicht an den Tag gelegt, erklärte Veh: „Letztes Jahr hat er hier alle Bälle angenommen, hat sie weitergeleitet, hat selber Tore gemacht. Und plötzlich ist er wesentlich schwächer in Dortmund.“
Mit seiner Kritik am Stürmer war der frühere Stuttgarter am Sonntag aber nicht alleine. Auch Mentalcoach Kai Treamann erlebt Guirassy schwächer als noch im Vorjahr. Er macht das vor allem am Defensivverhalten des Spielers fest. „Er schläft komplett“, monierte Treamann.
Ex-Profi Stefan Effenberg stimmte grundsätzlich zu, nahm dabei aber auch die Mitspieler von Guirassy in die Pflicht: „Er hat 0,0 Unterstützung, deshalb geht die Kurve nach unten.“