Marcel Sabitzer: Der BVB-Star hat 87 Spiele für Österreichs Nationalmannschaft absolviert. (Quelle: IMAGO/Joachim Bywaletz/imago-images-bilder)
Marcel Sabitzer durchlebt mit dem BVB aktuell eine Krise. Zuletzt wurde äußerte sich auch Österreichs Nationaltrainer Ralf Rangnick kritisch. Doch der wurde offenbar nur missverstanden.
Der BVB steckt momentan in der Krise. Daran konnte bisher auch Marcel Sabitzer nichts ändern. Der erfahrene Nationalspieler Österreichs hatte unter Ex-Trainer Nuri Şahin einen schweren Stand. Unter Nachfolger Niko Kovač darf er wieder spielen. Die Ergebnisse des BVB lassen aber weiterhin zu wünschen übrig. Und auch Sabitzers Leistungen blieben hinter den Erwartungen zurück.
Kürzlich sagte Österreichs Nationaltrainer Rangnick bei der “Bild”, dass der Mittelfeldmann bei Borussia Dortmund im Vergleich zum Nationalteam “nicht wiederzuerkennen” sei. Auf diese Aussage reagierte der BVB-Star dann am Mittwochabend nach dem Remis gegen Sporting.
Sabitzer sagte am Sky-Mikrofon mit Zurückhaltung: “Es ist halt so, damit muss man umgehen können. Wenn es aus den eigenen Reihen ist – ich weiß nicht, ob das hilfreich ist, aber das muss jeder für sich entscheiden.”
Danach hatte Rangnick das Gefühl, er müsste seine Aussage klarstellen. Wenige Stunden nach Sabitzers Reaktion äußerte sich der Nationalcoach Österreichs im französischen TV-Sender Canal+. Er betonte, dass er Sabitzer “ein Stück weit aus der Schusslinie genommen und verteidigt” habe. Zudem stellte der Deutsche klar: “Wenn er bei uns spielt, ist er einer der absoluten Führungsspieler. Dass er bei uns besser spielt als in Dortmund, sieht, glaube ich, jeder so.” Rangnick sieht den Grund für Sabitzers Leistungen also weniger beim Spieler selbst, sondern eher beim Verein.
In der Bundesliga sind die Dortmunder weit abgeschlagen auf dem elften Rang und damit ganze 26 Punkte hinter Spitzenreiter Bayern München.
Ausgangslage top, Stimmung mies: BVB vor Pflichtaufgabe
Aktualisiert am 18.02.2025 – 13:27 UhrLesedauer: 3 Min.
BVB-Coach Niko Kovac bereitet sein Team auf das Playoff-Rückspiel gegen Sporting Lissabon vor (Quelle: Bernd Thissen/dpa/dpa-bilder)
Die Situation in der Bundesliga überlagert beim BVB alles. Auch die gute Ausgangslage in der Champions League. Spiele wie gegen Sporting am Mittwoch dürfte es bald schon nicht mehr geben.
Die Ausgangslage in der Champions League ist eigentlich bestens, die Stimmung rund um Borussia Dortmund aber auf dem Tiefpunkt. Angesichts der verheerenden Situation in der Bundesliga ist von Festtagslaune vor dem wahrscheinlichen Achtelfinal-Einzug gegen Sporting Lissabon am Mittwoch (18.45 Uhr/DAZN) in der Königsklasse nichts zu spüren. Die allgemeine Lage und der Liga-Fehlstart vom neuen Chefcoach Niko Kovac drücken beim Bundesliga-Elften aufs Gemüt.
“Wir müssen schauen, dass wir erstmal wieder Spiele in der Bundesliga gewinnen. Das ist das, was wir brauchen. Das ist die Hausarbeit. Champions League ist nur die Sahne oben auf der Torte”, sagte der mit zwei Niederlagen aus zwei Bundesligaspielen gestartete Kovac vor dem Playoff-Rückspiel gegen den Tabellenführer aus Portugal. Einen solch bescheidenen Einstand eines BVB-Trainers hatte es zuletzt vor 41 Jahren gegeben: Timo Konietzka musste 1984 nach sieben Niederlagen aus neun Spielen wieder gehen.
Zum Glück gibt es für die schwarzgelbe Seele – zumindest noch – die Champions League. Nach dem 3:0 im Hinspiel vor einer Woche ist das Weiterkommen dort selbst für den taumelnden BVB sehr wahrscheinlich. Auch das Viertelfinale ist angesichts von OSC Lille oder Aston Villa als weiterem Gegner, der am Freitag ausgelost wird, alles andere als ausgeschlossen.
Trotz der günstigen Situation aber herrscht Fatalismus beim Revierclub. Der Champions-League-Finalist des Vorjahres bereitet sich längst auf eine nächste Saison ohne Millionen-Einnahmen aus der Königsklasse vor. Dass die Dortmunder den Wettbewerb gewinnen, darf angesichts des Gesamtzustands der Mannschaft aktuell ausgeschlossen werden.
Und in der Liga liegen die Westfalen nach dem peinlichen 0:2 beim abstiegsbedrohten Reviernachbarn VfL Bochum inzwischen schon sechs Punkte gar hinter einem Conference-League-Platz. “Wir können die Situation schon einschätzen. Wir sind Elfter – weit weg von wo wir hinwollen. Aber wir müssen jetzt auch gar nicht nach oben schauen”, sagte Kovac.
Vor dessen Verpflichtung hatte der aktuelle österreichische Nationaltrainer Ralf Rangnick die BVB-Offerte dankend abgelehnt. “Man hat nicht das Gefühl, dass als Überschrift steht: Wie wollen wir eigentlich spielen? Wie wollen wir auftreten? Wie wollen wir wahrgenommen werden? Da kann man den Spielern nicht den Vorwurf machen. Sondern das liegt daran, dass über Jahre hinweg dieser Fixpunkt einer Spielidee nicht mehr verfolgt worden ist”, kritisierte Rangnick nun in der “Sport-Bild”.
Im Winter wurden dringend benötigte Kaderkorrekturen weitestgehend verpasst. Rund um den BVB wird munter spekuliert, wer den Club im Sommer verlassen muss. Die Liste derer, die bleiben sollten, wird dabei immer kleiner. Sollten die Dortmunder in der kommenden Spielzeit zum ersten Mal seit zehn Jahren nicht mehr in der Champions League dabei sein, wird der Club nach Aussage von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ein, zwei große Verkäufe tätigen müssen, um die dann fehlenden Millionen-Einnahmen auszugleichen.
In der vergangenen Spielzeit hatte der BVB in der Königsklasse rund 120 Millionen verdient. Selbst wenn Top-Talent Jamie Gittens deutlich über Marktwert (50 Millionen Euro) in seine finanziell potente Heimat England verkauft würde, käme man damit alleine nicht in diese Größenordnung.
Zudem wäre dies ohne adäquaten Ersatz ein empfindlicher Verlust sportlicher Substanz. Für die meisten anderen gehandelten Streichkandidaten gilt dies kaum. Kovacs schräger Vergleich seines aktuellen Sorgenkindes Julian Brandt mit deutschen Weltklasse-Akteuren darf als Versuch verstanden wissen, dessen Wert anzuheben. “Wir sind uns alle glaube ich einig, dass Jule neben Wirtz und Musiala in diese Range dazugehört”, hatte Kovac am Randes des Spiels in Bochum bei Sky gesagt und dafür nur Kopfschütteln kassiert.
Ralf Rangnick galt zuletzt als möglicher Trainerkandidat in Dortmund. Nun sparte Österreichs Nationaltrainer nicht an Kritik am BVB – und rätselte auch über Marcel Sabitzers zwei Gesichter.
Borussia Dortmund steckt in der Bundesliga in der Krise. Mittendrin ist auch Mittelfeldmann Marcel Sabitzer, der seiner Bestform in Dortmund schon länger hinterherläuft.
Österreichs Nationaltrainer Ralf Rangnick kann sich Sabitzers BVB-Auftritte im Interview mit “BildTV” nur schwer erklären: “Wenn du ihn jetzt in Dortmund spielen siehst, ist er fast nicht wiederzuerkennen.”
An der häufig gestellten Mentalitätsfrage wolle Rangnick die Krise nicht festmachen. “Die Vorstellung, dass die Spieler in Dortmund plötzlich eine schlechte Mentalität haben und gerne Spiele verlieren, glaube ich einfach nicht. Das ist nicht der Fall”, so der 66-Jährige, der im Interview auch Gespräche mit dem BVB bestätigte, allerdings absagte, bevor die Borussia Niko Kovac als Trainer verpflichtete.
Es müsse “Gründe geben, warum die Spieler in Dortmund gefühlt immer schlechter spielen als woanders”.
Ralf Rangnick: BVB fehlt die Spielidee
Eine Problematik beim BVB sehe er in einer mangelnden Spielidee im Verein seit dem Abgang von Trainer Jürgen Klopp.
“Man hat nicht stringent nach einer bestimmten Vorstellung, wie man Fußball spielen will, den Kader zusammengestellt”, so Rangnick zur Klopp-Ära.
Inzwischen habe man jedoch nicht mehr das Gefühl, “dass es um die Frage geht: Wie wollen wir spielen? Wie wollen wir auftreten? Wie wollen wir wahrgenommen werden?”
Den Spielern könne man da keinen Vorwurf machen. Es liege stattdessen daran, “dass schon seit Jahren der Fixpunkt fehlt. Dass seit Jahren nicht mehr anhand der Spielidee eines Trainers die Frage verfolgt wird: Wie wollen wir spielen?”
Das BVB-Debakel in Bochum wirkt in Dortmund nach. Denn besonders Ralf Rangnicks Kritik am BVB hat eine nie verheilte Wunde wieder aufgerissen. Seit dem Abgang von Jürgen Klopp taumelt der Verein Jahr für Jahr weiter in die Krise hinein.
Ausgerechnet Jürgen Klopp! Als Ralf Rangnick am Wochenende bei Bild-TV den Auftritt von Borussia Dortmund beim VfL Bochum am Samstagnachmittag im Ruhrstadion mit vernichtenden Worten einordnete, stach der österreichische Nationaltrainer mit seiner Kritik am BVB (un-)bewusst tief in eine nie verheilte Wunde: “Gehen wir mal in die Zeit zurück, in der der BVB am erfolgreichsten war in den letzten 20 Jahren. Das waren die sieben oder acht Jahre unter Jürgen Klopp.”
Es waren in der Tat goldene, unvergessene Zeiten für Borussia Dortmund. Und auch wenn sie es beim BVB nicht mehr hören können: Diese Zeit wirkt immer noch nach! Da kann die Person Jürgen Klopp als neuer Repräsentant von Red Bull bei den eingefleischten Fußballfans noch so sehr in Ungnade gefallen sein, die Erfolge bei und mit Borussia Dortmund sind in die schwarz-gelbe Fanseele tief eingebrannt. Und so schmerzen die völlig richtigen und nachvollziehbaren Worte von Ralf Rangnick umso mehr!
“Damals hat man von Anfang an in der Kaderzusammenstellung darauf geachtet, dass die Spieler zu der gewünschten Spielweise von Jürgen Klopp passen. Damals gab es drei Entscheider, die auch nach außen hin die Entscheider waren mit Aki Watzke, mit Michael Zorc und mit Jürgen Klopp. Und in jedem Transferfenster hat man diesen Kader zusammengestellt, der dann am Ende zweimal deutscher Meister und Pokalsieger wurde.” Der österreichische Nationaltrainer spricht mit seiner Kritik am BVB einen ganz wunden Punkt an. Denn seit dem Abgang von Jürgen Klopp – der mittlerweile fast zehn lange Jahre zurückliegt – hat die Borussia nicht nur eine ganze Reihe von Trainern verschlissen, sondern vor allem auch eine eigene Idee vom Fußball vermissen lassen. Die “Marke” BVB gebe es so nicht mehr, sagte Rangnick deshalb völlig zurecht.
“Fixpunkt einer Spielidee nicht mehr verfolgt”
Als Thomas Doll damals im Jahr 2008 das letzte Mal vor Jürgen Klopp als Coach des BVB seine Mannschaft im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg auf den Platz laufen ließ, standen Spieler wie Marcel Höttecke, Antonio Rukavina, Martin Amedick, Giovanni Federico oder auch ein Florian Kringe für die Borussia auf dem grünen Rasen. Und anders als viele es heute in Erinnerung haben: Der Stuhl von Manager Michael Zorc wackelte zu dieser Zeit gewaltig. Denn dem Kader, den der ehemalige BVB-Spieler zusammengestellt hatte, fehlte über Jahre hinweg genau das, was Ralf Rangnick aktuell auch wieder moniert – eine echte Idee: “Wie wollen wir eigentlich spielen? Wie wollen wir auftreten? Wie wollen wir wahrgenommen werden? Da kann man den Spielern nicht den Vorwurf machen. Sondern das liegt daran, dass über Jahre hinweg dieser Fixpunkt einer Spielidee nicht mehr verfolgt worden ist.”
Die Fehler der Vergangenheit haben sich von Trainerwechsel zu Trainerwechsel immer weiter verschärft. Gefühlt kommt der BVB deshalb seit Jahren aus dem Krisenmodus nicht mehr heraus. Echte Glücksgefühle, wie man sie in den Klopp-Jahren regelmäßig gewohnt war, stellen sich bei den BVB-Fans nur noch selten ein. Und die “Vollgas-Veranstaltungen”, die Jürgen Klopp damals bei seinem Antritt versprach und hinterher auch präsentieren durfte, gibt es bei Borussia Dortmund nur noch äußerst selten. Seit dem Ausscheiden des langjährigen Erfolgstrainers im Sommer 2015 wird viel mehr über das Thema “Mentalität” gesprochen. Dass diese häufig genug fehlt, macht den BVB-Offiziellen große Sorgen – auch wenn sie öffentlich nur ungern über dieses Problem sprechen.
Zum Autor
Ben Redelings ist ein Bestseller-Autor und Komödiant aus dem Ruhrgebiet.
Sein aktuelles Werk ist “Das neue Buch der Fußballsprüche” mit weit über 10.000 Sprüchen aus der bunten Welt des Fußballs.
Mit seinen Fußballprogrammen ist er deutschlandweit unterwegs. Infos & Termine auf www.scudetto.de.
Die Borussia der letzten Jahre lebte davon, dass man immer wieder Ausnahmekönner wie Jude Bellingham, Ousmane Dembélé, Erling Haaland oder auch einen Jadon Sancho verpflichten konnte. Spieler, die auf dem Platz überzeugten und später bei ihrem Verkauf dem BVB eine ganze Menge Geld einbrachten. Nicht ganz zu Unrecht hat Uli Hoeneß diese Strategie von Borussia Dortmund einst kritisiert: “Wenn Dortmund einen hochtalentierten Spieler kauft und er gut spielt, kann man wenige Monate später entweder aus dem Klub selbst oder von außerhalb hören, dass er irgendwann ein Verkaufsobjekt darstellen wird.” Doch zur Verteidigung des BVB muss man sagen: Finanziell hat sich dieses Modell des “Ausbildungsvereins” ausgezahlt.
Neuer Mega-Transfer?
Sportlich allerdings stand diese Strategie schon immer auf äußerst wackligen Füßen. Denn in die Zukunft gerichtet war diese Idee noch nie. Die Fluktuation war stets einfach zu groß. Und auch jetzt hat es den Anschein, als ob Borussia Dortmund nicht ganz unglücklich darüber ist, dass mit Jamie Gittens medial wieder ein neuer Megatransfer durchdiskutiert wird. Denn das Geld wird der BVB bitter gebrauchen können. Schließlich würde es an ein Wunder grenzen, wenn die Mannschaft in diesem momentanen Zustand noch die Qualifikation für die Champions League schaffen sollte.
Zwanzig Jahre nach dem Start von Aki Watzke als Geschäftsführer von Borussia Dortmund steht der Klub sportlich wieder einmal am Scheideweg. Und man muss kein Prophet sein, um nüchtern festhalten zu können: In der aktuellen Konstellation wird der BVB eine fulminante Kehrtwende – zurück zu einem Verein mit einer schlüssigen Idee und einer nachvollziehbaren Gesamtstrategie – nicht hinbekommen. Es wird wohl eines weiteren Glücksgriffs, wie damals mit Jürgen Klopp, bedürfen, damit die Borussia endgültig wieder in die Spur kommt. Bis dahin heißt es für die BVB-Fans warten. Ralf Rangnick wenigstens ist wohl frühestens erst nach der WM 2026 wieder auf dem Markt!
Ralf Rangnick galt zuletzt als möglicher Trainerkandidat in Dortmund. Nun sparte Österreichs Nationaltrainer nicht an Kritik am BVB – und rätselte auch über Marcel Sabitzers zwei Gesichter.
Borussia Dortmund steckt in der Bundesliga in der Krise. Mittendrin ist auch Mittelfeldmann Marcel Sabitzer, der seiner Bestform in Dortmund schon länger hinterherläuft.
Österreichs Nationaltrainer Ralf Rangnick kann sich Sabitzers BVB-Auftritte im Interview mit “BildTV” nur schwer erklären: “Wenn du ihn jetzt in Dortmund spielen siehst, ist er fast nicht wiederzuerkennen.”
An der häufig gestellten Mentalitätsfrage wolle Rangnick die Krise nicht festmachen. “Die Vorstellung, dass die Spieler in Dortmund plötzlich eine schlechte Mentalität haben und gerne Spiele verlieren, glaube ich einfach nicht. Das ist nicht der Fall”, so der 66-Jährige, der im Interview auch Gespräche mit dem BVB bestätigte, allerdings absagte, bevor die Borussia Niko Kovac als Trainer verpflichtete.
Es müsse “Gründe geben, warum die Spieler in Dortmund gefühlt immer schlechter spielen als woanders”.
Ralf Rangnick: BVB fehlt die Spielidee
Eine Problematik beim BVB sehe er in einer mangelnden Spielidee im Verein seit dem Abgang von Trainer Jürgen Klopp.
“Man hat nicht stringent nach einer bestimmten Vorstellung, wie man Fußball spielen will, den Kader zusammengestellt”, so Rangnick zur Klopp-Ära.
Inzwischen habe man jedoch nicht mehr das Gefühl, “dass es um die Frage geht: Wie wollen wir spielen? Wie wollen wir auftreten? Wie wollen wir wahrgenommen werden?”
Den Spielern könne man da keinen Vorwurf machen. Es liege stattdessen daran, “dass schon seit Jahren der Fixpunkt fehlt. Dass seit Jahren nicht mehr anhand der Spielidee eines Trainers die Frage verfolgt wird: Wie wollen wir spielen?”
Der BVB hat nach dem 0:2 beim VfL Bochum bereits zum neunten Mal in der laufenden Bundesligasaison verloren. Die mit Nationalspielern gespickte Startruppe bietet höchstens Mittelmaß. Der BVB ist nicht in der Lage, einen Abstiegskandidaten zu beherrschen. Im Gegenteil: Dortmund unterlag Bochum verdient.
Lesen Sie auch: Wieder BVB-Pleite: So lief der Bundesliga-Samstag
Ralf Rangnick kritisiert BVB Kader
Ralf Rangnick hat in der sportlichen Krise von Borussia Dortmund die Kaderplanung des Clubs kritisiert. Der österreichische Nationalcoach war vor der Verpflichtung von Niko Kovač selbst ein Trainerkandidat beim BVB.
Nun sagte gegenüber „Bild Sport“: „Man hat nicht das Gefühl, dass als Überschrift steht: Wie wollen wir eigentlich spielen? Wie wollen wir auftreten? Wie wollen wir wahrgenommen werden? Da kann man den Spielern nicht den Vorwurf machen. Sondern das liegt daran, dass über Jahre hinweg dieser Fixpunkt einer Spielidee nicht mehr verfolgt worden ist.“
Ralf Rangnick ist österreichischer Nationalcoach, im Winter war er ein Kandidat auf die Nachfolge von Nuri Sahin. Foto: IMAGO/PA Images/Tim Goode
Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize
Der 66 Jahre alte Rangnick sagte in den vergangenen Monaten sowohl Borussia Dortmund als auch dem FC Bayern München ab, um in Österreich zu bleiben. Die Krise der Dortmunder hat seiner Meinung nach einen langen Vorlauf.
BVB-Krise: Rangnick erinnert an Unterschiede in Klopp-Ära
„Gehen wir mal in die Zeit zurück, in der der BVB am erfolgreichsten war in den letzten 20 Jahren. Das waren die sieben oder acht Jahre unter Jürgen Klopp“, sagte Rangnick.
„Damals hat man von Anfang an in der Kaderzusammenstellung darauf geachtet, dass die Spieler zu der gewünschten Spielweise von Jürgen Klopp passen. Damals gab es drei Entscheider, die auch nach außen hin die Entscheider waren mit Aki Watzke, mit Michael Zorc und mit Jürgen Klopp. Und in jedem Transferfenster hat man diesen Kader zusammengestellt, der dann am Ende zweimal deutscher Meister und Pokalsieger wurde.“
Das BVB-Erfolgstrio im Jahr 2012 (von links): Sportdirektor Michael Zorc, Trainer Jürgen Klopp und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Foto: dpa/Timur Emek
Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize
Lesen Sie auch: Jürgen Klopp auf Sylt gesichtet: Das treibt die Trainer-Ikone auf der Kultinsel
Damals sei der BVB „tatsächlich eine Marke“ gewesen, so Rangnick. „Jetzt haben sie den zehnten oder zwölften Trainer seit Jürgen Klopp nicht mehr da ist. Aber man hat einfach nicht mehr stringent nach irgendeiner vorgestellten Spielweise den Kader zusammengestellt.“
Schlotterbeck vermisst „Basics“ bei seinem Team
Nico Schlotterbeck hat die Mannschaft nach der Derby-Niederlage mit deutlichen Worten in die Pflicht genommen. „Die Basics im Fußball – Zweikämpfe annehmen, vor allem Zweikämpfe führen erst mal – das muss sich schleunigst ändern“, sagte der deutsche Nationalspieler bei Sky. Würde das nicht gelingen, wäre „die Saison eine Horror-Saison.“ Vor der Fankurve schlug den Dortmunder Spielern die blanke Wut entgegen.
Von links: BVB-Kapitän Emre Can, Nico Schlotterbeck und Julian Brandt wurden nach dem Spiel von den eigenen Fans beschimpft und weggeschickt. Foto: David Inderlied/dpa
Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize
Der Trainerwechsel von Nuri Sahin zu Niko Kovač zeigt keine Wirkung. Der frühere Bayern-Coach ist der erste BVB-Trainer seit Timo Konietzka vor 41 Jahren, der seine ersten beiden Bundesligapartien verliert. Kovač selbst blieb nach der Blamage dagegen betont ruhig – zumindest in der Öffentlichkeit. „Wir werden nicht die Nerven verlieren“, beteuerte der 53-Jährige.
BVB-Trainer Niko Kovač. Foto: David Inderlied/dpa
Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize
Nach fünf Niederlagen in den ersten sieben Bundesligaspielen des Jahres liegt Dortmund auf Rang elf – für den stolzen Revierclub, der gerne Bayern-Jäger sein will, ist das eine sportliche Katastrophe.
Der Rückstand auf einen Champions-League-Platz – eigentlich das Minimalziel der Borussia – beträgt schon acht Punkte. Eine kommende Saison ohne internationalen Wettbewerb wird immer realistischer.
Lesen Sie auch: Bundesliga-Übertragungen: Welche TV-Abos für die Saison 2024/25 erforderlich sind
Aktualisiert am 16.02.2025 – 15:05 UhrLesedauer: 2 Min.
Ralf Rangnick kritisiert die Transferpolitik von Borussia Dortmund (Quelle: Sven Hoppe/dpa/dpa-bilder)
Ralf Rangnick hätte in diesem Winter auch Dortmund-Trainer werden können. Er entscheidet sich anders. Die Krise des Clubs hat für ihn einen langen Vorlauf.
Ralf Rangnick hat in der sportlichen Krise von Borussia Dortmund die Kaderplanung des Clubs kritisiert. Der österreichische Nationalcoach war vor der Verpflichtung von Niko Kovač selbst ein Trainerkandidat beim BVB und sagte bei Bild Sport: “Man hat nicht das Gefühl, dass als Überschrift steht: Wie wollen wir eigentlich spielen? Wie wollen wir auftreten? Wie wollen wir wahrgenommen werden? Da kann man den Spielern nicht den Vorwurf machen. Sondern das liegt daran, dass über Jahre hinweg dieser Fixpunkt einer Spielidee nicht mehr verfolgt worden ist.”
Der 66 Jahre alte Rangnick sagte in den vergangenen Monaten sowohl Borussia Dortmund als auch dem FC Bayern München ab, um in Österreich zu bleiben. Die Krise der Dortmunder hat seiner Meinung nach einen langen Vorlauf.
“Gehen wir mal in die Zeit zurück, in der der BVB am erfolgreichsten war in den letzten 20 Jahren. Das waren die sieben oder acht Jahre unter Jürgen Klopp”, sagte Rangnick. “Damals hat man von Anfang an in der Kaderzusammenstellung darauf geachtet, dass die Spieler zu der gewünschten Spielweise von Jürgen Klopp passen. Damals gab es drei Entscheider, die auch nach außen hin die Entscheider waren mit Aki Watzke, mit Michael Zorc und mit Jürgen Klopp. Und in jedem Transferfenster hat man diesen Kader zusammengestellt, der dann am Ende zweimal deutscher Meister und Pokalsieger wurde.”
Damals sei der BVB “tatsächlich eine Marke” gewesen, so Rangnick. “Jetzt haben sie den zehnten oder zwölften Trainer seit Jürgen Klopp nicht mehr da ist. Aber man hat einfach nicht mehr stringent nach irgendeiner vorgestellten Spielweise den Kader zusammengestellt.”
Sie glauben, Ihrem Verein geht es schlecht? Dann schauen Sie doch einmal in die englische Premier League. Dort kündigt sich seit einiger Zeit der Untergang eines Giganten des Weltfußballs an. Seltsame Entscheidungen reihen sich an seltsame Entscheidungen – und Heilung ist nicht in Sicht.
Im vergangenen Herbst, ein paar Monate nach seinem Amtsantritt als Vorstandsvorsitzender von Manchester United, stellte Omar Berrada im Old Trafford das “Projekt 150” vor. Der Name war Ausdruck des großen Traums, zum 150. Geburtstag des Klubs im Jahr 2028 endlich wieder englischer Meister zu werden. Da stellt sich die Frage: Wie läuft das Projekt? Nun – im Januar sagte Ruben Amorim, der erste Cheftrainer des neuen Regimes des Milliardärs und Miteigentümers Sir Jim Ratcliffe: “Wir sind die vielleicht schlechteste Mannschaft in der Geschichte von Manchester United.”
Amorim ruderte schnell ein wenig zurück und das nicht nur, weil United in der Saison 1933/34 nur knapp dem Abstieg in die alte Division 3 Nord entgangen war und in der Ligapyramide Englands nur auf Rang 42 landete. Doch der Portugiese hatte schon den Dezember 2024 mitder Rede von einem möglichen Abstiegbeendet. Ein Unglück, das United seit 1974 nicht mehr widerfahren ist. In Amorims Argumentation fanden sich viele Übertreibungen. Doch sie verdeutlichten die gigantische Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit im Old Trafford.
Nach einem 0:1 gegen Manchester City stieg United 1974 ab. Die Fans probierten alles und stürmten den Platz. Sie wollte so einen Abbruch provozieren.
(Foto: IMAGO/Colorsport)
Im vergangenen Februar, nachdem er 1,3 Milliarden Pfund (circa 1,6 Milliarden Euro) für 27,7 Prozent der Anteile an United bezahlt hatte, kündigte Ratcliffe noch vollmundigan, Liverpool oder Manchester City innerhalb von drei Jahren von “ihrem Thron” zu stoßen. Das sind große Worte im englischen Fußball. Sie gehen zurück auf Sir Alex Ferguson. Der stand im September 2002 nach einer Serie von schlechten Resultaten unter Druck. Arsenal hatte in der Saison zuvor die Meisterschaft gewonnen und spazierte wieder an der Tabellenspitze davon. Ferguson wischte die Zweifel fort.
Eigentlich konnte der Absturz nicht weitergehen – eigentlich
Seine größte Herausforderung, sagte er, sei nicht die Gegenwart, sondern das, was in den frühen 1990er-Jahren passiert sei. Seine größte Herausforderung war, “Liverpool von ihrem verdammten Thron zu stoßen” und United zur dominanten Mannschaft in England zu machen. Dem Schotten war das gelungen. In seiner Zeit als Trainer reihte er Trophäe an Trophäe. Er gewann dreizehn Meistertitel, fünf FA-Cups und zwei Trophäen in der Champions League. Die Fans des FC Bayern erinnern sich mit Grauen an das Finale im Jahr 1999.
Zum Autor
Richard Jolly gehört zu den renommiertesten Fußball-Autoren Englands. Für “The Independent” berichtet er seit Jahren über die Premier League sowie über Welt- und Europameisterschaften. Für ntv.de schreibt er unregelmäßig über den Fußball auf der Insel.
Nachdem Ferguson 2013 nach 27 Jahren bei United zurückgetreten war, hatte der Klub keine wirkliche Chance mehr auf einen Titel. Die neue und harte Realität unter Sir Jim Ratcliffe: Manchester United muss zuerst Brighton oder Bournemouth vom Thron im Mittelfeld der Tabelle stoßen. An Manchester City oder gar Liverpool ist momentan überhaupt nicht mehr zu denken.
Denn als es so aussah, dass United nicht mehr tiefer sinken kann, sanken die Red Devils immer tiefer. Die letzte Saison beendeten sie auf Platz acht, noch nie seit Einführung der Premier League im Sommer 1992 stand United am Ende einer Saison schlechter und noch nie hatten sie mehr Niederlagen als die 14 in der Saison 2023/2024 kassiert. Beim Blick auf die gigantischen finanziellen Ressourcen war klar, tiefer kann es eigentlich nicht mehr gehen. Ging es für die anderen ja auch nie. Arsenal war seit 1995 nicht schlechter als Platz acht, Liverpool nicht mehr seit ihrem Aufstieg ins Oberhaus im Jahr 1962.
Das portugiesische Wunderkind …
Als United im Oktober 2024 Erik ten Hag rauswarf, waren sie auf Platz 14 abgerutscht. Sie träumten immer noch von einer Platzierung in den Top vier am Ende der Saison. Sie ernannten Amorim zu ihrem Trainer. Sie nannten ihn den aufregendsten jungen Trainer in Europa. Sein Start war der schlechteste Start eines United-Trainers seit 103 Jahren. Allein im Dezember kassierten sie sechs Niederlagen, die meisten in einem Monat für United seit 1930. “Es ist ein bisschen peinlich, Manchester United zu trainieren und so viele Spiele zu verlieren”, sagte Amorim. Von den letzten sechs Heimspielen in der Premier League haben sie fünf Spiele verloren und im sechsten lagen sie gegen die schlechteste Mannschaft der Liga, Southampton, bis zur 81. Minute mit 0:1 zurück. Dann erzielte Amad Diallo einen Hattrick.
Amorims Abschied in Lissabon glich einem Triumphzug.
(Foto: IMAGO/SOPA Images)
Amorim war mit der Empfehlung eines 100-Prozent-Rekords (elf Siege in elf Spielen) in der portugiesischen Liga mit Sporting Lissabon nach England gekommen. Ursprünglich wollte er erst im Sommer 2025 übernehmen. Für United war das keine Option. So kam er während der Saison. Als er Sporting verließ, war der Playoff-Gegner von Borussia Dortmund auch in der Champions League exzellent aufgestellt. Sie hatten gerade Manchester City mit 4:1 besiegt, standen auf Platz zwei, Amorim hatte seinen Ruf als Trainer-Wunderkind untermauert.
… will nur ein System spielen
Da waren die ersten dunklen Wolken längst aufgezogen. Als Liverpool sich auf die Suche nach einem Nachfolger für Jürgen Klopp machte, war der Portugiese in der engeren Auswahl. Doch sein Beharren auf eine Dreierkette nahm ihn aus dem Rennen. Liverpool entschied sich für Arne Slot. Eine bislang solide Wahl. Die Reds stehen souverän an der Spitze der Premier League, sie haben die Tabellenphase der Champions League auf Platz eins abgeschlossen. Es läuft ganz gut an der Anfield Road.
Das Duell der niederländischen Glatzköpfe konnte Slot (r.) gegen ten Hag entscheiden. Einer führt die Tabelle an, der andere musste gehen.
(Foto: IMAGO/Shutterstock)
United verpflichtete einen Trainer, der auf ein 3-4-3 bestand. “Ich muss meine Idee verkaufen, weil ich keine andere habe”, sagte Amorim. Aber bis er im Januar den Dänen Patrick Dorgu für 30 Millionen Euro von US Lecce verpflichten konnte, hatte er im Kader keinen Flügelverteidiger für die Dreierkette. Vielleicht passen nur der Verteidiger Harry Maguire und der derzeit verletzte Mittelfeldspieler Mason Mount überhaupt besser in ein 3-4-3 als in ein anderes System. Die meisten Innenverteidiger haben nicht das Tempo, um die von Amorim gewünschte hohe Verteidigungslinie zu spielen. Das erklärt, warum Uniteds beste Leistungen unter dem Portugiesen dann zu sehen waren, wenn sie, wie gegen Arsenal und Liverpool, tief verteidigen konnten.
United kassiert ständig Einhorn-Tore
Schon unter Ole Gunnar Solskjær war United am stärksten, wenn sie kontern konnten. Doch für einen Verein mit einer langen Tradition von mutigem und unterhaltsamem Angriffsfußball schwächeln sie nun schon lange, wenn sie den Ton angeben müssen. Wie bereits Louis van Gaal und ten Hag so hat auch Amorim besonders gegen die Teams aus dem Mittelfeld seine Probleme, Spiele zu gewinnen. Keiner von ihnen hat auf die Stärken dieser Klubs eine Antwort gefunden.
Der ehemalige Hertha-Spieler Matheus Cunha konnte Onana mit einer direkten Ecke überwinden.
(Foto: IMAGO/NurPhoto)
Der neue Trainer hat überall auf dem Platz Probleme. In der bislang kurzen Amtszeit von Amorim haben beide Torhüter bereits Tore von direkten Ecken kassiert – Altay Bayindir bei der 3:4-Ligapokalpleite in Tottenham im Dezember und Andre Onana nur wenige Tage später beim 0:2 bei den Wolverhampton Wanderers am Boxing Day. Ganz vorn im Sturm bringt es der im Sommer 2023 für 72 Millionen Pfund (circa 84 Millionen Euro) von Atalanta Bergamo verpflichtete Rasmus Hojlund auf gerade einmal zwei Saisontore in der Liga.
Der im vergangenen Sommer für mehr als 40 Millionen Euro vom FC Bologna geholte ehemalige Bayern-Angreifer Joshua Zirkzee wurde von den eigenen Fans laut ausgepfiffen, als er beim 0:2 gegen Newcastle am 30. Dezember bereits nach 33 Minuten ausgewechselt wurde. Eine nahezu beispiellose Demütigung durch die sonst so loyalen Stadionbesucher im Old Trafford. Am vergangenen Wochenende, bei der 0:2-Heimpleite gegen Crystal Palace, entschied sich Amorim gegen beide Spieler und bot stattdessen den Mittelfeldspieler Kobbie Mainoo in der Angriffsspitze auf. Bizarr.
Ex-Bayern-Angreifer trifft nicht, Rashford spielt nicht
Aber die Probleme enden da nicht. Im Mittelfeld fehlt United die Beweglichkeit. Ständig geraten sie dort in Unterzahl, oft werden sie überrannt. Als Amorim im Dezember gegen Newcastle United das langsame Oldie-Duo Casemiro und Christian Eriksen gegen das hochklassige, energiegeladene Trio Sandro Tonali, Bruno Guimares und Joelinton aufbot, war klar, was passieren würde. Und es passierte.Sie wurden überrannt, verloren, Zirkzee wurde ausgewechselt und ausgepfiffen.
Amorim kam zu dem Schluss, dass er Casemiro, einer der am besten verdienenden Spieler bei United, nicht mehr aufbieten kann. Die vergangenen fünf Ligaspiele verbrachte er auf der Bank. Damit ist er immer noch besser dran als Marcus Rashford. Der wurde in gleich 13 aufeinanderfolgenden Pflichtspielen nicht berücksichtigt. In diesem Zeitraum erzielen Hojlund und Zirkzee zusammen genau ein Tor. Am Ende der Wintertransferperiode wurde Rashford nun an Aston Villa ausgeliehen.
Zirkzee stürmte nach seiner Auswechslung in Richtung Tunnel.
(Foto: IMAGO/Sportimage)
Rashford wollte den Klub verlassen. Er hatte außerhalb des Platzes Probleme und auf dem Platz seit 18 Monaten nicht mehr seine Bestform erreicht. In den sieben Wochen, die Rashford vor seiner Leihe von Amorim nicht mehr berücksichtigt worden war, verdiente er mehr als 2 Millionen Pfund (circa 2,5 Millionen Euro) dafür, dass er nicht spielte. Kürzlich sagte Amorim – ohne jedes Taktgefühl -, dass er lieber den 63-jährigen Torwarttrainer Jorge Vital auf die Bank setzen würde, obwohl United viel zu wenig Tore erzielt.
Es war die Fortsetzung eben jener Behandlung, die ten Hag in der vergangenen Saison Jadon Sancho zukommen lassen hatte. Der war im Herbst 2023 vom Niederländer ausgemustert worden. Im Januar 2024 hatte er sich für den Rest der Saison Borussia Dortmund angeschlossen und war dort ein entscheidender Faktor auf dem Weg ins Finale der Champions League.
Bizarre Verhandlungstaktiken
Es ist auch eine perfekte Illustration für die Probleme, die Amorim bei United geerbt hat. Bizarrerweise hatte ten Hag zum Beispiel auch 85 Millionen Pfund (circa 100 Millionen Euro) für Antony bezahlt und ihn damit im Sommer 2022zum zweitteuersten Einkauf der Klubgeschichte gemacht. In dieser Saison stand der brasilianische Flügelspieler in der Liga nicht einmal in der Startelf. Im Januar wurde er an Real Betis nach Spanien verliehen.
Sir Jim Ratcliffe (l.) sieht nicht glücklich aus. Khaldoon Al Mubarak, der Statthalter der Emirate bei Manchester City, kann es in dieser Saison auch nicht sein. Aber das ist eine andere Geschichte.
(Foto: IMAGO/Visionhaus)
Ten Hag war es gelungen, über 600 Millionen Pfund (rund 720 Millionen Euro) in den Kader zu stecken und ihn schlechter zu hinterlassen. Die fatale Kombination aus hohen Ablösesummen, Superstar-Gehältern und dem sinkenden Ansehen macht viele von ihnen unverkäuflich. Obwohl die Financial-Fair-Play-Regelungen der Liga United mit einem Umsatz von 661 Millionen Pfund (rund 800 Millionen Euro) im vergangenen Geschäftsjahr eigentlich zugutekommen sollten, mussten sie eingestehen, dass sie Gefahr laufen, gegen die Regeln zur Rentabilität und Nachhaltigkeit zu verstoßen. Aus diesem Grund mussten sie Scott McTominay im vergangenen August an die SSC Neapel verkaufen, obwohl ten Hag ihn behalten wollte.
Uniteds neues Regime wollte auf dem Transfermarkt eigentlich ganz groß auftrumpfen. Sie verpflichteten Dan Ashworth von Newcastle United. Ratcliffe kündigte ihn als “einen der besten Sportdirektoren der Welt” an. Nach fünf Monaten feuerten sie ihn. Im letzten Sommer sah alles nach einer Trennung von ten Hag aus. Der Verein sprach mit einer ganzen Reihe potenzieller Trainer – unter anderem mit Thomas Tuchel, aber seltsamerweise nicht mit Amorim. Das Ergebnis? Ten Hag erhielt einen neuen Vertrag und obendrauf 200 Millionen Pfund (circa 240 Millionen Euro) für den Transfermarkt.
Einer wusste es schon vor langer Zeit
Diese mangelhafte Entscheidungsfindung kommt von ganz oben. Ratcliffe scheint die Herausforderungen in seiner Heimat unterschätzt zu haben. Der gebürtige Mancunian ist sehr schnell von einem beliebten Neuzugang zu einem unbeliebten Besitzer geworden – obwohl er Ambitionen hat. Er möchte Old Trafford entweder umbauen oder, so wie er es wohl lieber hätte, ein neues, hochmodernes Stadion bauen. Es soll das “Wembley des Nordens” werden. Der Milliardär, der in Monaco im Steuerexil wohnt, will dafür offenbar an das Geld der Steuerzahler. Old Trafford ist unter der Eigentümerschaft der US-Familie Glazer ohne Investitionen immer brüchiger geworden. Das berüchtigte undichte Dach wurde zu einer Metapher für den Klub. Sir Jim Ratcliffe hat immerhin erkannt, dass Old Trafford zum Symbol des Niedergangs von Manchester United geworden ist.
Ralf Rangnick forderte bereits vor drei Jahren drastische Maßnahmen.
(Foto: IMAGO/Xinhua)
Aber United hat im vergangenen Finanzjahr auch 113 Millionen Pfund (circa 136 Millionen Euro) Verlust gemacht. Ratcliffe hat Kosten reduziert und die Eintrittspreise auf 66 Pfund (circa 80 Euro) erhöht – und dazu erklärt, ein Besuch bei Fulham solle nicht teurer als einer bei United sein, obwohl Fulham ja momentan wohl die bessere Mannschaft hat. Ratcliffe hat auch etwa 250 Mitarbeiter entlassen, viele davon langjährige. Auch vor Klub-Legende Sir Alex Ferguson machte Ratcliffe nicht halt. Die United-Legende war Klub-Botschafter und hatte dafür 2 Millionen Pfund (circa 2,4 Millionen Euro) im Jahr erhalten.
In Wien dürfte diese Bilanz ein amüsiertes Lächeln hervorrufen. Vor drei Jahren erklärte Ralf Rangnick während seiner weithin erfolglosen Zeit als Interimstrainer, dass United eine “Operation am offenen Herzen” benötige. Diese Einschätzung scheint heute wahrer denn je.