Fast täglich gibt es wilde Gerüchte um Wolfsburger Spieler. Hinter Mohammed Amoura ist die halbe Welt her, um die Fußball-Wuchtbrumme Patrick Wimmer bemühen sich diverse Spitzenklubs und nun heißt es, dass Konstantinos Koulierakis in England und Italien ein Objekt der Begierde sei. Ob das alles so stimmt oder Berater einfach mal ein paar Leuchtraketen in den Transferhimmel geschossen haben, sei an dieser Stelle vernachlässigt. Was man aber konstatieren darf, ist: Wenn die Konkurrenz scharf ist auf Spieler des VfL, dann haben die Verantwortlichen am Mittellandkanal einen guten Job gemacht.
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Zum Job gehört es allerdings auch dazu, die Leistungsträger und Stützen der Mannschaft an der Stange zu halten, um mittelfristig endlich den Erfolg zu haben, den man sich wünscht. Der VfL darf nicht zu einem Ausbildungsverein werden, der hochbegabte Profis einkauft, um sie beim erstbesten Angebot wieder ziehen zu lassen. Und sollte in unmittelbarer Zukunft tatsächlich mal eine unmoralische Offerte auf den Tischen von Geschäftsführer Peter Christiansen oder Sportdirektor Sebastian Schindzielorz landen, wäre ein Verkauf nur zu akzeptieren, wenn zuvor bereits für den notwendigen und qualitativ ebenbürtigen Ersatz gesorgt wäre. Alles andere wäre fahrlässig und würde den gerade erfolgreich eingeleiteten Weg gewaltig gefährden.
Ein paar Minuten Nachspielzeit hätte man durchaus erwarten können, als sich das Spiel am Samstagabend in Dortmund dem Ende zuneigte. Allein für Ein- und Auswechslungen war die zweite Hälfte doch sechs Mal unterbrochen worden.
Doch nicht einmal zehn Sekunden nach dem Ablauf der regulären Spielzeit griff Schiedsrichter Bastian Dankert schon zur Pfeife. Ein Schlusspfiff als Akt der Gnade.
In den 15 Minuten zuvor war der 1. FC Union schließlich zum Opfer einer öffentlichen Demütigung geworden. Oder war das schon eine Selbstgeißelung? In einer knappen Viertelstunde kassierten die Berliner jedenfalls vier Tore und damit letztlich ein 0:6 bei Borussia Dortmund.
Die letzte Viertelstunde kann ich auf Anhieb auch nicht erklären. Bis dahin war es ein normales Spiel und ein normales Ergebnis. Die letzten drei Tore muss ich auch erst mal sacken lassen.
Unions Trainer Steffen Baumgart nach dem 0:6 in Dortmund
Es war die höchste Bundesliga-Niederlage der Vereinsgeschichte und vor allem ein verheerendes Zeichen im Abstiegskampf.
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„Dass das nicht passieren darf, kann sich jeder vorstellen“, sagte ein sichtlich geschockter Steffen Baumgart auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. „Die letzte Viertelstunde kann ich auf Anhieb auch nicht erklären. Bis dahin war es ein normales Spiel und ein normales Ergebnis. Die letzten drei Tore muss ich auch erst mal sacken lassen.“
Selbst das war aber noch ein ziemlich wohlwollendes Fazit. Union war zwar gut in beide Halbzeiten gestartet, doch schon vor dem Einbruch in der Schlussphase war die Leistung alles andere als überzeugend. Vorne zahnlos, hinten wackelig: Das in dieser Saison allzu bekannte Muster war wieder deutlich zu erkennen. Hinzu kam erneut das Gefühl, dass Union unter Baumgart nach jedem Schritt nach vorne immer gleich zwei zurück macht.
Warum das so ist, bleibt die Frage. Und wieder wird bei der Analyse über altbekannte Probleme geredet werden: die ungewohnte Viererkette und den fehlenden Mut vor dem Tor.
Als Erklärung reicht das allein aber nicht aus, denn es ist nicht so, als hätte Baumgart keine Antworten darauf. Im Angriff ist Union unter dem neuen Trainer tatsächlich schon besser geworden. Und in der Abwehr hat er sich auch pragmatisch genug gezeigt, um gelegentlich zurück auf die Dreierkette umzustellen.
Gegen Dortmund schien das Problem eher mental zu sein. Nach vorne traute sich die Mannschaft wenig zu, und wenn, dann fehlte die Präzision. Hinten fiel man nach dem dritten Tor komplett auseinander. Das Selbstvertrauen, das die Mannschaft vor zwei Wochen mit dem 4:0 gegen Hoffenheim getankt hatte, ist inzwischen komplett verschwunden.
Es bringt nichts, wie Rumpelstilzchen durch die Gegend zu laufen.
Unions Trainer Steffen Baumgart nahm seine Spieler nach dem 0:6 beim BVB in Schutz.
Insofern war es vielleicht auch verständlich, dass sich Baumgart vor seine Spieler stellte und die Leistung nicht komplett schlechtreden wollte. Wer so verliert, braucht eben keine weitere Rüge. „Ich bin nicht der Typ, der draufhaut oder irgendwelche wilden Sachen macht. Es bringt nichts, wie Rumpelstilzchen durch die Gegend zu laufen“, sagte der Trainer. „Die Mannschaft hat aus meiner Sicht bis auf das heutige Spiel vieles richtig gemacht: Wir sind auf dem richtigen Weg und den haben wir nicht verlassen.“
Die Niederlage werde man nun in Ruhe analysieren und sich auf das nächste wichtige Spiel gegen Holstein Kiel vorbereiten. Ein Spiel, das richtungsweisend für den Rest der Saison werden könnte. In Dortmund konnte man – gerade auch mit Blick auf die jüngere Geschichte – nicht unbedingt mit Punkten rechnen. Gegen Kiel hingegen ist ein Sieg Pflicht.
Bis auf das Spiel in Hoffenheim hat Union die letzten direkten Duelle gegen andere Abstiegskandidaten allesamt verloren: Auch deswegen befinden sich die Berliner überhaupt noch in Abstiegsgefahr. Ein weiterer Ausrutscher am kommenden Sonntag würde die Sogkraft der unteren drei Plätze nur noch verstärken.
Noch ist der Vorsprung auf den Relegationsplatz komfortabel. Damit das weiter so bleibt, muss es allerdings eine schnelle Antwort auf den Albtraum in Dortmund geben. Denn wie Lothar Matthäus schon vor dem Schlusspfiff am Sky-Mikrofon gnadenlos zusammengefasst hatte, war diese Leistung von Union „nicht bundesligareif“.
Ancelotti hat die Tabellenführung mit Real Madrid verloren – Foto: Oscar del Pozo/AFP via Getty Images
Real Madrid: CARLO ANCELOTTI über …
… den 25. LaLiga-Spieltag gegen den FC Girona (Sonntag, 16:15 Uhr, im REAL TOTAL-Liveticker und bei DAZN):„Es ist ein Spiel in einem wichtigen Moment der Saison. Wir haben gegen City ein gutes Bild abgegeben, das müssen wir wiederholen. Wir sind an einem Punkt angelangt, wo man nichts mehr liegen lassen kann, wo die Liga sehr umkämpft ist. Jedes Spiel kann vital sein.“
… die drei sieglosen Liga-Partien in Serie:„Ich denke, wir hatten etwas Pech. Wir haben es in den letzten Spielen gut gemacht. Weniger gut gegen Espanyol, dann viel besser gegen Atlético, viel besser gegen Osasuna. Zu zehnt waren wir kurz davor, das Spiel zu gewinnen. Wir müssen so weitermachen, denn wenn du gut spielst und eine gute Einstellung hast, wird das Ergebnis dich belohnen.“
… seine einstige Aussage, wonach man in der spanischen Liga nicht von einer Manipulation sprechen könne:„Ich bleibe bei meiner Meinung und will einen Wettbewerb, der so sauber wie möglich ist.“
… Dauerbrenner Federico Valverde:„Es ist nicht unmöglich, dass er mal pausiert. Er hat gespielt, weil er in einer sehr guten Verfassung ist. An dem Tag, an dem ein paar Probleme hat oder etwas Pause braucht, hat er kein Problem damit, auf die Bank zu gehen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er morgen pausiert.“
… die Verfassung von Daniel Ceballos:„Ceballos geht es sehr gut, er hat kein Problem. Alle, die gespielt haben, sind in einer guten Verfassung. Ich werde heute ein wenig abwägen, wer eine Pause braucht, denn es ist ein Spiel, in dem frische Beine uns helfen können. Die Mannschaft steigert sich in körperlicher Hinsicht. Die Innenverteidiger sind zurück. Morgen kann es auch eine Option sein, dass (David) Alaba nach langer Zeit spielt. Es sind kleine Dinge, die ich heute abwägen muss.“
… Jude Bellingham, der in LaLiga zwei Spiele gesperrt fehlt:„Wir müssen diese Entscheidung akzeptieren. Der Klub wird darum kämpfen, um zu versuchen, die Zwei-Spiele-Sperre zu reduzieren. Morgen wird natürlich ein anderer Spieler spielen. Wir waren schon in der Lage, ohne Bellingham gute Ergebnisse zu erzielen. Hoffentlich können wir das auch morgen.“
… den starken Raúl Asencio und Vergleiche mit Sergio Ramos oder Nacho Fernández sowie die Gefahr, dass das Lob ihm zu Kopf steigt:„Ich habe mit ihm nicht darüber geredet, weil sich seine Einstellung absolut nicht geändert hat. Sie ist immer die gleiche. Er redet wenig, ist sehr auf seine Arbeit fokussiert. Wir unterhalten uns natürlich mit ihm, um zu versuchen, ihn besser zu machen. So wie wir täglich mit allen jungen Spielern sprechen, um zu versuchen, sie besser zu machen und damit sie dazulernen. Er hat ein paar Schwächen, wo er Mal für Mal besser wird. Was in dieser Zeit am meisten zum Vorschein gekommen ist, ist seine mentale Einstellung, seine Konzentration. Das erlaubte es ihm, gute Leistungen zu zeigen, auch gegen sehr, sehr schwierige Gegner.“
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… die vielleicht zu geringe Wertschätzung ihm gegenüber:„Nein, ich fühle mich von meinem Klub, meinen Spielern und meinen Fans geschätzt. Das ist für mich mehr als ausreichend. Ich kann nicht jeden zufrieden stellen, das verstehe ich total. Einige werden glücklich mit meiner Arbeit sein, einige weniger. Wichtig ist, dass der Klub, vor allem die Spieler und die Fans es sind.“
… Atlético als Gegner im Champions-League-Achtelfinale:„Schwierig, wie immer gegen Atlético. Das ist eine schöne, unterhaltsame K.o.-Runde. Es wird natürlich ausgeglichen sein. Die letzten beiden Duelle gingen mit einem Unentschieden aus. Das heißt, dass die Qualität beider Mannschaften ähnlich ist.“
… die provokanten X-Beiträge von Atlético:„Ich habe schon Schwierigkeiten, um zu verstehen, was ein Tweet ist. Wenn wir mehr Zeit haben, kannst du es mir erklären. Ich schaue mir diese Dinge nicht an, wirklich.“
… den FC Barcelona und Atlético als Titelrivalen, nicht nur in LaLiga:„Generell ist es schwierig, eine Liga wie die hier in Spanien zu finden, die so umkämpft ist. Vor allem in dieser Saison. In Italien und England gibt es nicht so viele Mannschaften. Hier sind drei Mannschaften einen Punkt voneinander entfernt, das Niveau ist sehr hoch. Es ist eine Liga, die sich am letzten Spieltag entscheiden wird.“
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VfB-Trainer Sebastian Hoeneß: „Wir wussten, dass wir einen offenen Schlagabtausch wahrscheinlich heute nicht spielen können. Deswegen war die Idee, den Gegner einen Tick tiefer zu empfangen. Es war eine recht ereignisarme erste Hälfte. In der zweiten Hälfte hatten wir Glück in der Anfangsphase. Du musst dann zustechen und die Situationen die daliegen nutzen. Wir wollten schlau spielen – und das ist heute super aufgegangen. Die Jungs haben nicht zum ersten Mal Charakter gezeigt. Die Mannschaft hat klug und pragmatisch verteidigt.“
BVB-Trainer Niko Kovac: „Meine Mannschaft hat es mit Blick auf die Leistungsbereitschaft und den Willen 90 Minuten richtig gut gemacht, teils aber offensiv nicht die richtigen Entscheidungen getroffen. Die Niederlage tut uns weh, weil sie unnötig war.“
VfB-Chris Führich „Ich freue mich sehr über den Sieg – auch weil ich hier aus der Gegend komme. Nach der kleinen Schwächephase in der Bundesliga tut uns dieser Erfolg als Mannschaft sehr gut.“
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Wir haben alle mindestens zehn Minuten eingesetzten Stuttgarter Profis mit einer detaillierten Einzelkritik bewertet. Diese lesen Sie in der Bilderstrecke. Auch Sie können die VfB-Spieler bewerten – in unserem Notentool.