Der Auftritt des SV Werder Bremen beim 0:5 gegen den SC Freiburg offenbart große Probleme – und eine brandgefährliche Entwicklung. Was nun? Ein Kommentar von DeichStube-Reporter Daniel Cottäus.
Bremen – Ob nun leidenschaftslos, unkonzentriert, katastrophal oder blutleer – für den Auftritt, den der SV Werder Bremen in der zweiten Halbzeit während des Auswärtsspiels in Freiburg hingelegt hat, gibt es viele passende Adjektive. Und benutzt worden sind davon etliche im direkten Anschluss an die Partie. Was aber mindestens genauso erschreckend war wie die sportliche Darbietung des Teams, ist das offenbar erheblich gestörte Bremer Mannschaftsgefüge, das sowohl Spieler als auch Trainer in bei Werder nicht gekannter Schärfe öffentlich anprangerten.
Werder Bremen in der Krise: In der Mannschaft gibt es offensichtlich schon länger erhebliche Spannungen
Gegenseitiges Helfen auf dem Platz? Gerade nicht vorhanden. Das Suchen nach Fehlern beim Nebenmann anstatt bei sich selbst? Dafür umso mehr. Eine brandgefährliche Entwicklung, hatten die Bremer ihre starke Hinrunde doch vor allem selbst mit der mannschaftlichen Geschlossenheit erklärt. Die deftigen Aussagen von Freiburg weisen nun darauf hin, dass in der Gruppe schon länger nicht mehr alles stimmt, dass es erhebliche Spannungen gibt, die sich unmittelbar nach der 0:5-Ohrfeige emotional entladen haben. Und jetzt?
Muss sich Werder Bremen schnell wieder zusammenraufen. Muss Trainer Ole Werner sein Team wieder in die Spur bringen, um die Saisonziele nicht zeitnah beerdigen zu können. Positiv: In den Aussagen aller Beteiligten schwang nach dem Freiburg-Spiel mit, dass sie diesen Auftrag offenbar erkannt haben. Beschönigt wurde jedenfalls nichts. Es geht nur als Mannschaft für den SV Werder, und funktioniert die, geht es sogar gut. Ist das aber nicht der Fall, fehlt dem Kader die individuelle Klasse, um in der Bundesliga höhere Ansprüche anmelden zu können. (dco)
Der Signal Iduna Park von Borussia Dortmund bleibt für den 1. FC Union Berlin in der Bundesliga kein gutes Pflaster. Am Samstagabend verloren die Eisernen zum sechsten Mal.
Frank Zeising/Eibner
Außer Spesen und einer zu erwartenden Pyro-Strafe mal wieder nichts gewesen: Der 1. FC Union Berlin bleibt auch im sechsten Bundesliga-Jahr auswärts bei Borussia Dortmund ohne Punkte – die Niederlagen-Serie im Signal Iduna Park geht weiter. Am Samstagabend verloren die Köpenicker deutlich mit 0:6 (0:2) vor 81365 Zuschauern im ausverkauften Stadion und bleiben damit im unteren Tabellendrittel auf Rang 13.
Die Tore von Diogo Leite (25./Eigentor), Serhou Guirassy (40./75./80./83.) sowie Maximilian Beier (89.) sorgten für die elfte Niederlage in dieser Saison. Gefährlich: Union Berlin hat nach 23 Spieltagen erst 24 Zähler. Zum Vergleich: Im Vorjahr hatten die Eisernen zum gleichen Zeitpunkt bereits 25 Punkte – mussten aber bis in die Nachspielzeit des letzten Spieltages um den Klassenerhalt zittern.
Trainer Steffen Baumgart hatte seine Mannschaft nach dem 1:2 gegen Borussia Mönchengladbach erneut umgebaut. Tom Rothe, der im Sommer aus Dortmund gekommen war, ersetzte den verletzten Robert Skov. Lucas Tousart und Andras Schäfer rückten für Janik Haberer und Tim Skarke in die Startelf. Bemerkenswert: Baumgart versuchte es erneut mit der Viererkette in der Abwehr. Obwohl gegen Gladbach zuletzt erst die Rückkehr zur Dreierkette mehr Stabilität gebracht hatte, setzte der Union-Coach wieder auf das offensiv flexiblere Spielsystem mit zwei Innenverteidigern.
Diogo Leite (links) vom 1. FC Union Berlin unterlief das Eigentor zum 0:1 gegen Borussia Dortmund. Frederik Rönnow im Tor der Berliner konnte nur hinterherschauen.
Fabian Strauch/dpa
Pyro bei Borussia Dortmund und Union Berlin
Vor der Partie zündeten beide Fanlager großflächig Pyro-Technik. Erst wurde die Dortmunder Südtribüne zum lodernden Lichtermeer. Danach hüllten die Union-Fans mit ihren Fackeln das Stadion in Nebel. Mit roten und weißen Plastikumhängen verkleidet, hatten die Anhänger der Eisernen dazu das Banner „Über allem thront Union!“ entrollt. Beiden Vereinen droht damit eine Strafe des DFB. Zuletzt hatte der Verband den Eisernen eine Rechnung von 19.000 Euro für eine ähnliche Pyro-Aktion im Spiel im Oktober 2024 bei Holstein Kiel geschickt.
Auf dem Spielfeld dauerte es bis zur 25. Minute, ehe es im Strafraum der Gäste brenzlig wurde. Bis dahin hatten die Berliner die namhaft besetzte Dortmunder Offensive gut von der Gefahrenzone ferngehalten. Dann aber grätschte Innenverteidiger Diogo Leite unglücklich in einen Schuss des Ex-Unioners Julian Ryerson – der Ball flatterte über den Berliner Keeper Frederik Rönnow ins eigene Tor. Die einzige Chance für Union vor der Pause hatte Benedict Hollerbach. Seinen Schrägschuss (35.) parierte BVB-Keeper Gregor Kobel mit starker Parade.
Auf der Gegenseite verlor indes Wooyeong Jeong einen entscheidenden Zweikampf gegen Dortmunds Ramy Bensebaini an der Seitenauslinie. Die folgende Flanke von Pascal Groß vollendete Serhou Guirassy zur 2:0-Führung (40.) für die Gastgeber.
Gegen die zuletzt kriselnden Dortmunder erzeugten die Unioner am Samstagabend zu wenig Torgefahr.
Fabian Strauch/dpa
Borussia Dortmund feiert in strömendem Regen
Nach dem Wechsel spielten die Berliner etwas mutiger und kamen beinahe ebenfalls durch ein Eigentor zum Anschluss. Aber: Nach der scharfen Eingabe von László Bénes prallte der Ball zwar vom Schienbein von Emre Can in Richtung eigene Linie – Torhüter Kobel parierte jedoch (58.).
Bei immer stärker strömenden Regen hielten die Berliner in der zweiten Halbzeit zwar das Spiel offen, konnten aber insgesamt zu wenig offensive Aktionen kreieren. Mit einer Parade gegen Groß (71.) verhinderte Union-Keeper Rönnow einen noch größeren Rückstand. Danach vergab Dortmunds Beier eine Großchance (72.), dann traf Karim Adeyemi den Pfosten (74.). Mit dem zweiten Treffer von Guirassy, der den Ball aus Nahdistanz unter die Latte nagelte (75.), war das Spiel entschieden. Kurz darauf vollendete der BVB-Stürmer nach starker Vorarbeit von Maximilian Beier zu seinem dritten Tor (80.), wenig später per Kopf zum vierten Tor (83.). Beier sorgte per Kopf für den Schlusspunkt (89.).
Am kommenden Wochenende kämpft Union Berlin dann gleich um vier Punkte. Erst am Freitag (28. Februar) vor dem DFB-Bundesgericht um den Zähler vom 1:1 gegen den VfL Bochum. Nach dem Feuerzeugwurf und der Entscheidung des DFB-Sportgerichts, die Partie mit 2:0 für den VfL zu werten, wird nun der Einspruch der Berliner vor der höchsten DFB-Instanz verhandelt. Am Sonntag (2. März, 15.30 Uhr) empfangen die Eisernen dann Holstein Kiel im Stadion an der Alten Försterei.
Der FC Bayern wird in Leverkusen zum „FC Harmlos“. Trotzdem ist man in München zufrieden. Doch reicht dieser Fußball für die großen Titel?
Nur zwei harmlose Torschüsse, kein Eckball und ein xG-Wert von 0,01 – die Zahlen des FC Bayern im Topspiel bei Bayer Leverkusen sind die eines Absteigers. Und die Negativrekorde ließen sich noch weiter fortsetzen.
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Rekordnationalspieler Lothar Matthäus unkte nach der Partie bei Sky, er habe nie solch harmlose Bayern erlebt. Im STAHLWERK Doppelpass bei SPORT1 bezeichnete Europameister Steffen Freund die bayerische Leistung als „Aprilscherz“ und Manager-Legende Reiner Calmund stellte fest: „Es gab keine einzige Aktion, bei der hätte ein Tor fallen können.“
Einen Experten zu finden, der sich von den Bayern begeistert zeigte, war am vergangenen Wochenende unmöglich. Nur Stefan Effenberg gab sich relativ milde. Der SPORT1-Experte: „Bayern hat in der Defensive funktioniert, offensiv war es schwach. Aber das 0:0 haben sie gerne mitgenommen. Was wollten die Bayern nicht? Verlieren! Und das haben sie geschafft.“
Wie ist die Bayern-Leistung zu deuten?
Es ist die Lesart, die man an der Säbener Straße am liebsten hören dürfte. Motto: Ja, schwach gespielt, aber immer noch Tabellenführer.
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„Wir sind acht Punkte vorne – im Februar … Das könnt ihr bezeichnen, wie ihr wollt. Ihr könnt es mit Adjektiven ummanteln, bis es kracht. Egal ob das meisterlich ist oder nicht: Wir sind acht Punkte vorn und haben am Dienstag die Chance, (in der Champions League; Anm. d. Red.) weiterzukommen. Um den Rest kümmern wir uns nicht“, sagte Thomas Müller.
Manuel Neuer erklärte am SPORT1-Mikro: „Es ist skurril, dass wir den ersten Torschuss in der 70. Minute hatten. Das gehört zum Fußball auch dazu. Ich glaube, wie wir es verteidigt haben, war sehr gut.“
Seine Aussagen garnierte der Kapitän dabei mit einem lausbübischen Grinsen, ließ aber den Fakt aus, dass es mindestens dreimal hinter ihm hätte klingeln können. Zweimal hatte Bayer 04 Aluminium getroffen, in der Schlussphase vergab Florian Wirtz eine Mega-Chance auf die Führung.
„Catenaccio alla Bavaria“
Die Bayern fühlen sich wohl in der Rolle, die sie in Leverkusen spielten. Ein Hauch von „Catenaccio“ umwehte die Münchner. Also jener italienische Fußballstil, bei dem das Ergebnis über allem steht. Ein torloses Remis oder ein 1:0-Sieg reicht oftmals, um zufrieden zu sein. An der Säbener Straße hatte man im Vorfeld des Topspiels nicht ohne Grund „Box-Defending“ trainiert.
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Doch die Erzählung vom „Catenaccio alla Bavaria“ ist gefährlich. Sie passt nicht zum Weltbild des FC Bayern. Der Rekordmeister will dominant sein und spätestens seit der Ära Guardiola auch schönen Fußball bieten. Vor allem Ex-CEO Karl-Heinz Rummenigge hatte immer wieder das attraktive Spiel eingefordert.
Insbesondere Niko Kovac bekam in seiner Zeit als FCB-Coach das Münchner Misstrauen gegenüber Ergebnisfußball zu spüren. Auch als Thomas Tuchel vergangene Saison zumindest in der Königsklasse Dominanz gegen Erfolg eintauschte, war man klubintern nur halbwegs zufrieden.
Vincent Kompany – eigentlich auch ein Freund der Dominanz – entschied sich gegen Bayer um. Erstmals in dieser Saison beschloss der Bayern-Trainer, sich ganz und gar an die Spielweise des Gegners anzupassen.
„Wir haben gut verteidigt. Wir haben uns diesen Punkt verdient. Wir kommen aus einem riesigen Kampf gegen Glasgow und müssen am Dienstag (im Rückspiel der Champions-League-Playoffs gegen Celtic; Anm. d. Red.) wieder bereit sein.“
Eine Erklärung, die einleuchtet, aber nicht jedem gefällt. Einzelne Bayern-Fans forderten in den sozialen Medien sogar „Konsequenzen“ – wie immer diese auch aussehen mögen …
Traut Kompany seiner Mannschaft noch nicht?
Doch es gibt noch eine weitere Theorie, die die bayerische Leistung erklären könnte: Kompany wollte auch deswegen auf Nummer sicher gehen, weil er seiner Mannschaft noch nicht das große Feuerwerk zutraut – zumindest nicht in den Topspielen.
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Zur Erinnerung: Wenn die Bayern in dieser Saison schwächelten, dann in großen Spielen: Barcelona, Aston Villa, Rotterdam – selbst das Pokal-Aus gegen Leverkusen im Dezember oder das 3:3 bei Eintracht Frankfurt könnte man dazuzählen.
Fakt ist: Echte „Crunchtime“-Bayern sind die Münchner noch nicht. Nicht umsonst spricht Sportvorstand Max Eberl immer wieder davon, dass man sich in einer Entwicklung befinde.
Aber: Der Rekordmeister muss noch kein Top-Team sein. Denn erst im März, April und Mai werden die ganz großen Spiele kommen. Wahrscheinlich bereits im Achtelfinale der Champions League. Ein möglicher Gegner: Bayer Leverkusen.