Meister SC Magdeburg hat mit einem 29:28 (16:13)-Sieg im dramatischen Topspiel gegen Tabellenführer MT Melsungen das Titelrennen in der Handball-Bundesliga noch spannender gemacht. Zwar bleiben die Nordhessen trotz der dritten Saison-Niederlage mit 32:6 Punkten weiter an der Spitze. Der Vorsprung auf die Verfolger um die TSV Hannover-Burgdorf beträgt aber nur noch zwei Zähler.
Auch die Magdeburger, bei denen Linksaußen Matthias Musche mit neun Toren bester Werfer war, mischen als Tabellensechster mit 23:9 Punkten bei drei Spielen weniger als die Konkurrenz weiter im Titelrennen mit.
«Wenn wir verloren hätten, wäre es für uns verdammt schwer geworden», sagte Rückraum-Ass Gisli Kristjansson am Dyn-Mikrofon über den verdienten Erfolg und ergänzte mit Blick auf das erste Heimspiel seit dem blutigen Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt kurz vor Weihnachten: «Das war ein emotionaler Sieg für uns. Wir wollten den Fans unbedingt zwei Punkte bescheren.»
Magdeburg nie im Rückstand
Die Hausherren dominierten über weite Strecken und lagen im gesamten Spiel nie zurück. Beim 13:9 (23. Minute) betrug der Vorsprung erstmals vier Tore. Weiter absetzen konnte sich der Titelverteidiger aber nicht, weil zu viele Chancen ausgelassen wurden.
So wurde es Mitte der zweiten Halbzeit noch einmal eng, als das Polster beim 22:21 bis auf ein Tor aufgebraucht war. Vier Minuten vor dem Ende kamen die Gäste beim 25:25 sogar erstmals wieder seit der Anfangsphase zum Gleichstand.
Dramatik am Ende
In der spannenden Schlussphase hatte dann aber der SCM, bei dem neben Musche auch Torwart Nikola Portner mit zehn Paraden und Kristjansson mit sechs Toren herausstachen, das bessere Ende für sich und bejubelte den verdienten Erfolg.
«Wir sind im gesamten Spiel hinten dran gewesen und waren in allen Bereichen einen Tick schlechter. Es ist extrem bitter, dass wir nicht an unser Leistungsmaximum herangekommen sind», räumte Melsungens Rechtsaußen Timo Kastening ein.
Dieser Denkzettel auf dem Weg zur 34. deutschen Meisterschaft saß. Das Titel-Comeback in der Fußball-Bundesliga ist dem FC Bayern München nach dem glücklichen 0:0 beim bärenstarken Noch-Meister Bayer Leverkusen zwar kaum mehr zu nehmen. Doch mit Blick auf den Weg ins Champions-League-Finale «dahoam» erwächst ausgerechnet dem Rekordmeister gerade eine neue «Bestia Negra» (schwarze Bestie).
So wurden die Bayern einst selbst in Spanien als höchst unbequemer Gegner für Real Madrid getauft. Der frühere Real- und Bayern-Profi Xabi Alonso ist nun nichts anderes mit seinem Team für die Münchner. Der Meistercoach blieb auch im sechsten Spiel als Bayer-Trainer gegen die Bayern unbesiegt. Mehr noch. Seine Schützlinge demonstrierten am Samstagabend im Bundesliga-Gipfel eindrucksvoll, wer aktuell die formstärkste deutsche Mannschaft ist.
Die Bayern sind es trotz acht Punkten Vorsprung in der Tabelle nicht. «Leverkusen war am Punkt da, die waren richtig, richtig intensiv unterwegs und die haben es sehr, sehr gut gemacht», ächzte Münchens Sportdirektor Christoph Freund nach einem Spiel, in dem die Bayern laut Statistik historisch unterlegen war. Und schon in gut zwei Wochen könnte es im Champions-League-Achtelfinale erneut zum Aufeinandertreffen kommen.
Eine Halbzeit komplett ohne Torschuss, das erste Schüsschen erst nach mehr als 70 Minuten – so etwas soll es seit entsprechender Datenerhebung vor mehr als 30 Jahren nicht gegeben haben. «Es ist vielleicht glücklich heute», bekannte Torhüter Manuel Neuer am Sky-Mikrofon. «Wichtig war, dieses Spiel nicht zu verlieren. Natürlich wäre es besser gewesen zu gewinnen. Aber das hätten wir heute auch nicht verdient gehabt.»
Müller spricht von «wunderbarem Punkt»
Im Hinblick auf die Meisterschaft konnten sich die Bayern etwas Trotz erlauben. Der gegen die übrige nationale Konkurrenz erspielte Vorsprung blieb bestehen. Niemals zuvor verspielte ein Team in der Liga einen Vorsprung von acht Zählern zu diesem Zeitpunkt. «Wir haben ein gutes Ergebnis mit nach Hause genommen und werden unseren Weg weitergehen», beharrte Thomas Müller. «Deswegen, es war für uns ein wunderbarer Punkt. Weiter geht es.»
Auch Trainer Vincent Kompany, der vor seinem Meisterstück in der Premierensaison steht, reagierte fast etwas unwirsch auf die Kräfteverhältnisse auf dem Platz. «Wir haben fast 100 Tore geschossen», sagte der Belgier mit Blick auf alle bisherigen Pflichtspiele unter ihm. «Wir waren in fast jedem Spiel immer dominant. Heute nehmen wir diesen Punkt mit und haben gut verteidigt.»
Aber auch er war bislang nicht in der Lage, Alonsos Leverkusener zu knacken. Auch im sechsten Duell als Bayer-Coach hatte sich der Baske gegen die Münchner etwas ausgedacht. Ohne nominelle Spitze – die Torjäger Patrik Schick und Victor Boniface blieben überraschend auf der Bank – hatte Bayer im Mittelfeld mehr Dominanz. Zudem presste Alonsos Team sehr hoch und Innenverteidiger Jonathan Tah stand Topstar Jamal Musiala teilweise schon weit jenseits der Mittellinie auf den Füßen.
Im März droht Leverkusen den Bayern erneut als Gegner
«Also wir müssen das Spiel, glaube ich, ganz klar gewinnen. Das war offensichtlich mit der Art und Weise, wie wir gespielt haben, mit der Dominanz, wie wir gespielt haben», sagte Tah nach dem absurd anmutenden Ergebnis angesichts von 16:2 Torschüssen. Die ausgeruhtere Werkself brachte deutlich mehr Energie auf den Platz als die Bayern, die sich am Mittwoch in der Champions League noch zu einem 2:1 bei Celtic Glasgow gemüht hatten.
Als bestem deutschen Team der Champions-League-Vorrunde blieben Leverkusen die Achtelfinal-Playoffs dagegen erspart. Schon in gut zwei Wochen könnte es in der Königsklasse in der Runde der letzten 16 wieder zum Aufeinandertreffen beider Teams kommen. Für die Bayern, die am 31. Mai unbedingt das Finale daheim in der Allianz Arena absolvieren wollen, ist dies aktuell alles andere als reizvoll.