Sammer rechnet mit deutschem Fußball ab – adelt aber
Matthias Sammer, ehemaliger Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Erzrivale der Bundesliga, hat bei einer aktuellen Veranstaltung in Frankfurt am Main eine schonungslose Bilanz über den deutschen Fußball gezogen. Dabei kritisierte er nicht nur die Strukturen des DFB, sondern auch die Talentförderung und die Vereinsphilosophien der Bundesliga-Clubs.
Frustration über fehlende Perspektiven
In einer leidenschaftlichen Ansprache betonte Sammer, dass der deutsche Fußball sich in einer kritischen Phase befinde. „Wir haben viele Talente, aber es gibt nur wenige, die es zu Weltklasse bringen. Die Ursachen sind vielfaltig, aber besonders die mangelnde Unterstützung für Nachwuchsspieler ist alarmierend“, erklärte Sammer. Er forderte eine umfassende Reform der Jugendtrainer- und Vereinsstrukturen in Deutschland, um das Potenzial junger Spieler besser zu entwickeln.
Kritik an den aktuellen Trainingsmethoden
Sammer ließ kein gutes Haar an den gegenwärtigen Trainingsmethoden vieler Clubs. „Die Spieler sind heute viel zu früh im Profibereich und verlieren oft die Leidenschaft für das Spiel. Wir müssen zurück zu den Grundlagen – die Technik und die Freude am Spiel müssen an erster Stelle stehen“, so Sammer weiter. Diese Rückbesinnung auf die fundamentals, betonte er, sei notwendig, um auch international wieder konkurrenzfähig zu sein.
Hohe Erwartungen an den DFB
Der DFB steht nach der enttäuschenden Europameisterschaft 2021 und dem schwachen Abschneiden in der FIFA-Weltmeisterschaft 2022 unter erheblichem Druck. Sammer, der selbst mehrere Titel als Spieler und Trainer gewonnen hat, warf dem Verband vor: „Der DFB muss endlich klare Ziele formulieren und unmissverständlich kommunizieren. Es reicht nicht, sich nur auf der Erfolgsgeschichte von 2014 auszuruhen.“
Sichtbare Lichtblicke – die Bundesliga
Dennoch fand Sammer auch positive Worte für einige Entwicklungen im deutschen Fußball. „Vereine wie Borussia Dortmund und RB Leipzig zeigen, wie eine Kombination aus Qualität und Jugendforderung aussieht. Diese Clubs sind Vorbilder, auch wenn sie in der internationalen Konkurrenz noch geschlagen werden müssen“, sagte er. Dabei hob er insbesondere die Rolle von Trainern hervor, die den Mut haben, junge Spieler einzusetzen.
Die Rolle der Zuschauer
Sammer lobte zudem die treuen Fans der Bundesliga, die in schweren Zeiten hinter ihren Teams stehen. „Die Unterstützung von den Rängen ist unverzichtbar. Die Leidenschaft und die Emotionen, die die Fans mitbringen, sind das Herzstück dieses Sports“, erklärte Sammer. Er wies darauf hin, dass die Rückkehr der Fans nach der Pandemie für einen Aufschwung in der Liga gesorgt habe.
Einen klaren Plan formulieren
Abschließend forderte Sammer die Verantwortlichen auf, einen klaren Plan für die nächsten Jahre zu entwickeln. „Wir müssen gemeinsam an einem Strang ziehen: die Vereine, der DFB und die Spieler müssen erkennen, dass wir einen gemeinsamen Weg einschlagen müssen, um wieder an die Spitze zu gelangen“, so Sammer. Ein solcher Plan müsse auch die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Ligen und Verbänden in Europa umfassen.
Fazit zu Sammer’s Aussagen
Die klare Botschaft von Sammer steht: Der deutsche Fußball ist gefordert, sich neu zu erfinden und darf nicht in alten Mustern verharren. Werden diese Ratschläge beherzigt, könnte die Bundesliga wieder zu alter Stärke finden. Und während der Druck auf Spieler und Verbände steigt, bleibt die Frage, ob diese notwendige Transformation rechtzeitig stattfinden kann, bevor der Rückstand auf internationale Top-Teams weiter wächst.